Spiel und Spaß und Zivilcourage

Warum sich junge Leute heute im Jugendrotkreuz engagieren – Im Zülpicher Rotkreuz-Ortsverein, der nächstes Jahr stolze hundert wird, gibt es gleich drei Jugendgruppen

Eine starke Truppe: Bestens aufgelegt präsentieren sich Mitglieder des Jugendrotkreuz Zülpich dem Fotografen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Zülpich – Dienstagsabend im Rotkreuzzentrum Zülpich: Ein knappes Dutzend Kinder und Jugendliche tanzt im Jugendraum im Dachgeschoss aufgeregt um Brigitte Kremer herum. Hände fliegen in die Luft, wie in der Schule, um sich zu melden. Was soll gespielt werden? Die Jugendrotkreuzgruppe ist sich schnell einig: „Das Werwolf-Spiel!“

Jeder zieht eine Karte und weiß jetzt, welche Rolle er in diesem spannenden Rate- und Detektiv-Spiel übernimmt. Es gibt den Werwolf, Feen, eine Seherin, das Opfer und so weiter. Jeder setzt sich mit verschlossenen Augen hin, Brigitte Kremer führt Regie. Und am Ende kommt über Fragen und Antworten tatsächlich raus, wer was ist.

 Das Opfer wird identifiziert, der Werwolf enttarnt. Das geht natürlich nicht widerspruchslos über die Bühne. Und die Kinder und Jugendlichen lernen ganz nebenbei aufmerksam zu sein, logisch zu kombinieren, zu argumentieren, auch sich zu wehren oder listig zu sein. Und darum geht es letztendlich auch in der Jugendarbeit des Roten Kreuzes im Kreis Euskirchen im Allgemeinen und in Zülpich im Besonderen. 

In den Jugendgruppen des Roten Kreuzes wird keineswegs nur Erste Hilfe gelernt und Sanitätsdienst „geschoben“. Die jungen Rotkreuzleute zwischen sechs und 27 Jahren  engagieren sich im Jugendrotkreuz für Gesundheit, Umwelt, Frieden und internationale Verständigung.

Laura Zimmermann, die Kreisbeauftragte des Roten Kreuzes für das Jugendrotkreuz: „Wir erheben die Stimme für Kinder und Jugendliche in Not und setzen uns mit vereinten Kräften für eine Verbesserung ihrer Situation ein – vor der eigenen Haustür und rund um den Globus. Ob Schulsanitätsdienst, Streitschlichtung, soziale Initiativen und Kampagnen oder Hilfsprojekte für Betroffene in Krisenregionen: Unser Engagement ist so vielfältig wie unsere Mitglieder!“ 

Drei Jugendrotkreuzgruppen insgesamt gibt es im Roten Kreuz der Römerstadt Zülpich, das übrigens im kommenden Jahr sein 100jähriges Bestehen feiert. 29 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 16  Jahren machen in den von Brigitte Kremer, Caroline Koudelka, Alex Heine, Yücel Kendirlik und Tobias Kremer geleiteten Jugendgruppen mit. Weitere Interessenten sind herzlich willkommen und können direkt zu den Gruppenabenden kommen oder sich zuvor mit Thomas Heinen (Tel. 0 22 51/ 79 11 13, Mail info@jrk-zuelpich.de) in Verbindung setzen.

Die JRK-Youngster um Brigitte und Tobias Kremer treffen sich dienstags von 17 bis 18 Uhr im Rotkreuzzentrum im Zülpicher Industriegebiet. Caroline Koudelkas „Mini-Mäuse“ kommen dort donnerstags um 17 Uhr zusammen. Beide Gruppen sind für Sechs- bis 16-Jährige gedacht. Die JRK-San-Gruppe um Alex Heine und Yücel Kendirlik, die sich donnerstags um 17 Uhr trifft, ist für Zwölf- bis 16-Jährige gedacht und sanitätspraktisch ausgerichtet. Hier empfiehlt es sich, sich vorher über Thomas Heinen anzumelden. 

Deutschlandweit hat das Jugendrotkreuz über 113.000 Mitglieder, im Kreis Euskirchen sind es 223, im Roten Kreuz der Stadt Zülpich 29. Die meisten aktiven JRK-Mitglieder in der Römerstadt kommen über Mund-zu-Mund-Propaganda zum Jugendrotkreuz. Caroline Koudelka übernahm die Leitung ihrer Jugendrotkreuzgruppe von ihrer Schwester Stephanie, auch einige Mädchen in der Gruppe gaben an, über Freundinnen zum Jugendrotkreuz gestoßen zu sein.

Barbara, eine junge Dame aus Brigitte Kremers Gruppe, kam über die Kinderbetreuung während eines Blutspende-Termins ihrer Eltern zum Jugendrotkreuz. Eine Kameradin ließ sich bei der diesjährigen Stadtranderholung in Zülpich vom Roten Kreuz beeindrucken und fürs Mitwirken im Jugendrotkreuz gewinnen. 

Die überwiegende Zahl der Mädchen und Jungen in Brigitte Kremers Gruppe kommen von den Außenorten der Stadt Zülpich, lediglich zwei aus der Kernstadt. Die Leiterin: „Im Jugendrotkreuz gut aufgehoben ist, wer gerne spielt, bastelt und gemeinsam mit anderen aktiv wird. Auch Ausflüge und Veranstaltungen stehen auf dem Programm.“ Ihren Jahresausflug unternahmen die Zülpicher Jugendrotkreuzler dieses Jahr zur Berufsfeuerwehr in Köln. 

Auch das Rotkreuzmuseum und das Schwimmbad in vogelsang ip wurden mehrfach aufgesucht. An Halloween gab es eine Party im Rotkreuzzentrum, am 6. Dezember kommt Willi Klippel als Nikolaus zu Besuch und am Volkstrauertag gehen die Zülpicher Jugendrotkreuzler in ihrer Dienstkleidung mit zur Kriegsopferehrung ans Ehrenmal. Beim Martinszug stellen die Jugendrotkreuzler jeweils in Begleitung eines erwachsenen Rotkreuzsanitäters in fünf Gruppen den kompletten Sanitätsdienst. 

„Wir reden auch über Probleme oder Dinge, die gerade anliegen, zum Beispiel übers Rauchen“, berichtet Brigitte Kremer im Interview. Sie bäckt, kocht und mixt beispielsweise alkoholfreie Cocktails mit ihren Kids. Langeweile kommt jedenfalls keine auf – und die „Pänz“ lernen nebenbei Engagement und Zivilcourage. 

Einen bangen Eindruck machten sie beim Reporterbesuch jedenfalls nicht. Ganz im Gegenteil: Im Jugendrotkreuz Zülpich wächst auch heute wieder eine Generation von guten jungen Leuten heran, denen Wohl und Wehe ihrer Mitmenschen ganz und gar nicht an der Gesäßpartie vorbei gehen . . .

pp/Agentur ProfiPress