Sparen lernen mit System

Sparen lernen mit System
Vortrag im Kreishaus Euskirchen über den “Interkommunalen Kennzahlenvergleich” – Der Entwickler des Systems, Christian Baans, ist Erster Beigeordneter der Stadt Mechernich – Automatische Datenerfassung und Analyse als Grundlage vernünftiger politischer Entscheidungen
Mechernich/Euskirchen – Was bringt ein Knöllchen der Euskirchener Kreiskasse eigentlich ein, wenn man alle Unkosten für die Blitzerfirma und die Verwaltungsbearbeitung abzieht? Um wie viel ist eine Buchausleihe in der Stadtbücherei Mechernich für die Kommune billiger als in der Stadtbibliothek Euskirchen?
Passt sich der Kreis Euskirchen bei der Kreisumlage der finanziellen Leistungsfähigkeit seinen Kommunen an? Oder lebt er “über seine Verhältnisse”, weil der direkte Vergleich der Kreisumlage mit anderen, reicheren Kreisen keinen Anlass zur Mäßigung gibt? Wiese versorgt eine Feuerwache in der einen Kommune neun, in einer anderen 20 Quadratkilometer?
Diese und noch tausend Fragen mehr könnten der Mechernicher Beigeordnete Christian Baans und das von ihm maßgeblich mitentwickelte Interkommunale Kennzahlenvergleichssystem (IKVS) beantworten helfen. Wie die Sache funktioniert, darüber sprach Baans jetzt auf Einladung des FDP-Kreistagsfraktionsvorsitzenden Hans Reiff vor Politikern verschiedener Couleur im Euskirchener Kreishaus.
Die von Baans und seinen Mitarbeitern für das Münsteraner Datenanalyseunternehmen “Profis” (ProFIS Kommunale Informations-
Systeme GmbH) entwickelte Software macht kommunale Leistungen nämlich vergleichbar. Und zwar wie die Preise im Supermarkt, so Christian Baans: “Was nutzt es, wenn ich weiß, dass ein halbes Pfund Butter einen Euro kostet, ich aber keine Vergleichsmöglichkeiten habe?”
Das Besondere an Baans` IKVS ist die automatische Sammlung aller erforderlichen Daten: “Es muss nichts eigens eingegeben oder extra erfasst werden.” Das System ist mit einem speziellen Datenerkennungsverfahren ausgestattet, das alle Daten und Zahlen einliest und vergleichbar macht – unabhängig davon, welche Software die Kommune benutzt und/oder welcher kommunalen Datenverarbeitungszentrale sie angehört.
“Die jeweilige Stadt oder Gemeinde muss sich nur anmelden und teilnehmen”, so der Erste Beigeordnete von Mechernich, der bereits in der Vergangenheit mehrfach Computersysteme speziell für das Kämmereiwesen der Kommunen mitentwickelt hat. Die Zahlen “laufen” dann praktisch automatisch ein und werden mit den entsprechenden Kennzahlen anderer Städte und Gemeinden verglichen.
Das IKVS wirft nicht nur Minimal- und Maximalwerte zum jeweiligen “Produkt” aus – also beispielsweise: Was kostet eine Stunde Straßenbeleuchtung absolut in Dahlem, Mechernich oder Köln? Das System zeigt auch auf, wie es sich mit den Kosten für die Straßenbeleuchtung in etwa in Größe und Lage vergleichbaren Kommunen verschiedener Bundesländer verhält.
Ziel ist es, so Baans, dass die jeweilige Gemeinde die Chance bekommt und nutzt, von anderen zu lernen, die es besser machen. Auf den ersten Blick sind die vom System ausgeworfenen Kennzahlen zwar anonymisiert, aber die Kommunen können über die IKVS-Zentrale in Münster auch miteinander in Verbindung treten. Wie weiland die Gemeinde Hürtgenwald mit der Stadt Mechernich, weil sie wissen wollte, wie die Stadt Mechernich ihre Strom- und Energiekosten so drastisch reduzieren konnte.
Der Mitgliedsbeitrag der einzelnen Kommunen ist auch nach Ansicht von Baans` Zuhörern im Euskirchener Kreishaus eher als gering einzuschätzen. Je nach Größe zwischen 2000 und 3000 Euro pro Jahr wird der Anschluss eine Stadt oder Gemeinde kosten – vergleichbare Gutachten von Prüfungsunternehmen kosten oft mehr als das Zehnfache. Der Nutzen von IKVS kann jedoch enorm sein, wenn Rat und Verwaltung die Erkenntnisse systematisch nutzen, die ihnen der Interkommunale Kennzahlenvergleich ermöglicht.
Da sich Baans` Software bislang noch in der Erprobungsphase befand, machen erst 28 Kommunen in vier Bundesländern mit zwischen 9000 und 80 000 Einwohnern mit, darunter natürlich die Stadt Mechernich selbst. Wenn IKVS jetzt auf den Markt kommt, ist mit einem sprunghaften Anstieg der Teilnehmerkommunen zu rechnen. Das Unternehmen “Profis” denke auch daran, IKVS bald für Gebietskörperschaften wie den Kreis Euskirchen gewinnbringend nutzbar zu machen, sagte der Mechernicher Beigeordnete im Kreishaus.
Ein weiteres Einsatzfeld wäre der Einsatz bei der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) des nordrhein-westfälischen Innenministeriums. Christian Baans: “Das System kann die ganze Arbeit der Datenerfassung und des Vergleichs übernehmen, die GPA-Experten könnten sich dann vehement auf ihre Kernaufgabe konzentrieren, nämlich die Kommunen gezielt zu beraten.”
Die meisten Teilnehmer des Euskirchener Informationsabends waren sehr angetan von Baans` Vergleichssystem. Gastgeber Hans Reiff, der schon während der Erprobungsphase des IKVS eingeweiht war: “Die Vergleichbarkeit von kommunalen Leistungen eröffnet Rationalisierungs- und Einsparpotenziale für den Steuerzahler in Milliardenhöhe.” Er wünscht sich den IKVS-Einsatz nicht nur bei Kommunen, Kreisen und Ministerialbehörden. Reiff: “Das System gehört auch in die Hände der Politiker, um perspektivische Entscheidungen treffen zu können.”
Es gehe nämlich nicht darum, Verwaltungen zu kontrollieren oder gar zu drangsalieren, sondern gemeinsam optimale Bedingungen für die jeweilige Stadt oder Gemeinde zu schaffen, so Hans Reiff. Auch Christian Baans, der sein System sehr pragmatisch nannte, erklärte: “Die größten Vorteile von IKVS hat doch die Kommune, die die schlechtesten wirtschaftlichen Kennzahlen hat, denn sie hat das größte Potenzial, sich zu verbessern.”
Unter dem Strich, so der Mechernicher Beigeordnete, seien die Bürger der Stadt oder Gemeinde die Nutznießer: “Es geht nicht um eine Fortsetzung der Misstrauenskultur zwischen Verwaltung und Politik, sondern darum, gemeinsam genau hinzugucken und Leistungsfähigkeit und Finanzverbrauch richtig einzuordnen.” Baans nannte im Euskirchener Kreishaus ein nahe liegendes Beispiel: “Was im Personalbereich an Geld verballert wird, das kommt der Bevölkerung nicht mehr in der Form von Schulen oder Sportstätten zugute!”
Ein ähnliches Referat wie im Euskirchener Kreishaus hat der Mechernicher Beigeordnete bereits im Dezember bei einem Controlling-Forum der KDVZ Citkomm in Iserlohn gehalten. Der Teilnehmerkreis dort bestand vornehmlich aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der örtlichen Kämmereien und Controlling-Stellen.
Von Interesse waren die Möglichkeiten des interkommunalen Vergleichs auf der Grundlage von automatisiert übernommen Haushaltsdaten ebenso wie die Einbindung der Vergleichsergebnisse über Graphiken und Tabellen in den örtlichen Haushaltsplan. Es wurde deutlich, dass der interkommunale Vergleich eine gute Basis darstellt, um mit der Politik in die vom Neuen Kommunalen Finanzmanagement geforderten strategischen Zielberatungen einzusteigen.
pp/Agentur ProfiPress

Manfred Lang

03.04.2008