Radrennen im Stand

Bewohner/innen der „Besonderen Wohnformen“ Haus Sonne und Haus Maria in Schönau und Bad Münstereifel können jetzt digital miteinander Sport treiben, sich vernetzen und kommunizieren – Digitales Projekt „Grenzenlos Miteinander“ mit Fokus auf Bewegung wurde von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW und mit Projektunterstützung des Forschungszentrums Jülich gefördert

Bad Münstereifel/Schönau – Dass man online gegeneinander beispielsweise Schach spielen kann, auch wenn man selbst in der idyllischen Eifel, der Gegner aber beispielsweise in Berlin, Kapstadt oder Vancouver sitzt, ist eine alte Jacke. Dass man aber – ebenfalls räumlich weit voneinander getrennt – in Echtzeit strampelnd und schwitzend, live und in Farbe, mit- und im Rennformat auch mit- und gegeneinander Sport treiben kann, ohne die eigenen vier Wände zu verlassen, mutet geradezu revolutionär an.

„Das ist ursprüngliche Bewegung und digitales Erleben zugleich und stellt eine neue, innovative und attraktive Angebotsform für unsere Bewohnerinnen und Bewohner der »Haus Sonne gGmbH« dar“, so Thomas Hochgürtel bei der Vorstellung der innovativen Sportstationen im Haus Sonne in Schönau und Haus Maria in Bad Münstereifel.

Es handelt sich um moderne digitale Technik, die mit softwaregestützten Whiteboards und vier digitalen Rollentrainern sowie zwei Laufbändern zum Einsatz kommt. Das Projekt verbindet Digitalisierung mit konventioneller Bewegung und Sport, wobei für jede Konstitution ein passendes Bewegungsprogramm vorhanden ist, das auch bei widrigem Wetter aktiviert werden kann.

Radrennen auf der Stelle im Fitnessraum des Haus Maria in Bad Münstereifel. Foto: Thomas Hochgürtel/Haus Sonne/pp/Agentur ProfiPress

Nachdem die Projektidee in 2020 gereift war, konnte der Plan nun mit Förderung der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW und Projektunterstützung des Forschungszentrums Jülich unter dem Förderaufruf „Zugänge erhalten – Digitalisierung stärken“ in die Tat umgesetzt werden. Thomas Hochgürtel von der Organisationsentwicklung Haus Sonne: „Wir haben dem Projekt den Titel »Grenzenlos Miteinander« gegeben. Es geht um soziale Teilhabe und vor allem gemeinsame Bewegung über digitale Angebote der Interaktion und Kommunikation.“

Halb Rennrad und Mountainbike

Die Zülpicher Radsportfirma Schumacher mit Hauptsitz in der Münsterstraße und Nebensitz mit Velodome auf dem Hannah Hof in Bessenich hat insgesamt vier Rennmaschinen aufgestellt, zwei im Haus Maria in Bad Münstereifel und zwei im Haus Sonne in Schönau.

Es handelt sich um echte Gravel-Räder. „Gravel bedeutet »Schotter«, für diesen Untergrund sind diese trendigen Räder entwickelt und können in der wärmeren und trockenen Jahreszeit auch für angeleitete Touren der Bewohner an frischer Luft in schöner Umgebung genutzt werden“, so Hochgürtel.

Cycling auf der fertigen Anlage mit (v.l.) Henrik Schumacher, IT-Experte Ralf Krause und Thomas Hochgürtel. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Die Bikes sind als Simulatoren in den Trainingsräumen beider „Besonderen Wohnformen“ als Smart-Rollentrainer vor Whiteboards aufgestellt worden. Die Bewohner radeln unter wechselnden Belastungen vor verschiedenen Kulissen, mal durch die Peripherie von Tokio oder London, über den Champs-Elysees und Alpenpässe wie Alp d‘ Huez oder Mont Ventoux, durch Fantasy-Landschaften an Dinosauriern vorbei oder durch den sommerlichen New Yorker Central Park.

Die ersten Reaktionen der Anwender im Haus Maria waren bereits beim Aufbau positiv bis überschwänglich. „Neugierig und begeistert“, so Thomas Hochgürtel, etwa nach dem Motto: „Wann können wir denn loslegen?“ oder „Klasse, so ein Rad wollte ich schon immer mal fahren!“ Die Whiteboards lassen sich über die feste Installation auf Rollwagen auch mit überschaubarem Aufwand in Gemeinschaftsräume transportieren, um Bewohner über Videoschaltung zusammenzubringen oder andere digitale Angebote zu nutzen.

Skat und Schwätzchen

Thomas Hochgürtel: „So kann man auch beispielsweise gegeneinander online Skat spielen – oder ein Schwätzchen halten.“ Eine gerade in pandemischen Zeiten willkommene Sache, was auch die Projektpartner der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW und des Forschungszentrums Jülich mit dem Digitalisierungsprojekt bezwecken wollten.

Thomas Hochgürtel von der Organisationsentwicklung des Haus Sonne zeigt eine Szenerie im New Yorker Central Park, die wahlweise auf die Whiteboards vor den auf Rollentrainern montierten Gravel-Rädern in Schönau und Bad Münstereifel geladen werden kann. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Dass die Zülpicher Firma Schumacher den Zuschlag für den Projektteil der Fahrräder und Rollentrainer erhielt, freut Thomas Hochgürtel ganz besonders. „Die haben mit dem »Wohlfühlort« »Hannah Hof« in Bessenich ein eigenes größeres Sozialprojekt mit bereits vorhandener vergleichbarer Ausstattung und zudem sehr viel Erfahrung, Verständnis und Fingerspitzengefühl für die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung.“

Im Förderantrag wird das Projekt so eingeordnet: „Da die Interessen der Zielgruppe unterschiedlich sind, muss mit einem digitalen Format von Angeboten auch ein breites Spektrum von möglichen Interessen abgedeckt werden.“ Thomas Hochgürtel will mit dem Angebot auch Bewohner und Bewohnerinnen einbeziehen, die bisher keine Berührungspunkte mit Digitalisierung hatten.

Das Projekt stärke das soziale Miteinander zwischen „Besonderen Wohnformen“ des Wohn- und Betreuungsverbunds Haus Sonne, weitere Entfernungen und Infektionsrisiken seien keine Hinderungsgründe mehr, zusammenzukommen und gemeinsam etwas zu unternehmen. Thomas Hochgürtel: „Damit viele Vorteile des Digitalisierungsprojekts auch für die interdisziplinären Mitarbeiter-Teams der Haus-Sonne-Standorte nutzbar sind, stehen auch für Teambesprechungen Whiteboards bereit, die regelmäßige Fahrten zwischen den Standorten reduzieren sollen, Ressourcen sparen und Arbeitsschritte direkt digital abbilden anstatt zunächst auf Papier.“

pp/Agentur ProfiPress