Psychologische Hilfe für die Helfer

Kreis stellt seine aufgestockte Freiwilligentruppe „PSNV-E“ zur Begleitung geschockter und traumatisierter Einsatzkräfte vor – „Normale Reaktionen auf unnormale Ereignisse“

Mechernich/Kreis Euskirchen – Die Massenauffahrunfälle auf der A 61 bei Weilerswist mit zahlreichen Toten und das Selbstmordattentat des damals 38jährigen Erwin Mikolajczyk am Euskirchener Amtsgericht mit sieben Todesopfern brachten Mitte der 90er Jahre auch in Mechernich und im Kreis Euskirchen ans Licht, was die Leitende Notärztin Dr. Gisela Neff und Leitstellenchef Udo Crespin schon lange geahnt hatten.

Auch Rotkreuzsanitäter, Feuerwehrmänner, THW-Leute, Polizei und Rettungsdienst brauchen Gespräche, behutsamen Umgang und eine psychologische Nachbetreuung, wenn sie mit Bildern in ihren Köpfen fertigwerden müssen, die keiner freiwillig sehen will. 2013 stellte der Kreis eine entsprechende Einheit aus speziell ausgebildeten Mitarbeitern in seinem Amt für Gefahrenabwehr zusammen.

Flut verschärfte die Lage

Die Betreuer wurden immer wieder in Anspruch genommen. Mit der sogenannten „Jahrhundertflut“ 2021 und ihren vielen Toten und zahlreichen traumatischen Begleiterscheinungen stieg der Bedarf nach psychologischer Begleitung bei den Rettungs- und Einsatzkräften jedoch sprunghaft an. Deshalb wurde die Einheit aufgestockt.

Dieser Tage stellte die Kreisverwaltung in Euskirchen die neuen Mitarbeiter der psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte der Öffentlichkeit vor. Für die Begleitung und Unterstützung von Einsatzkräften der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr nach belastenden Einsätzen seien weitere Mitarbeiter speziell ausgebildet und in die „Kreiseinheit PSNV-E“ überführt worden, die organisations- und kreisübergreifend agieren könne.

Landrat Markus Ramers und Geschäftsbereichsleiterin Julia Baron stellten zusammen mit Martin Fehrmann, dem Abteilungsleiter Gefahrenabwehr, und Kreisbrandmeister Peter Jonas die psychologische Nachsorgeeinheit des Kreises vor. Es handelt sich unter der Einsatzführung von Rainer Brück um Freiwillige aus den Reihen des Roten Kreuzes, der Feuerwehren, des Rettungsdienstes und der Malteser sowie eine Diplom-Psychologin. Foto: Corinna Lawlor/Kreis Euskirchen/pp/Agentur ProfiPress

In ihrer Pressemitteilung schreibt Corinna Lawlor: „Einsatzkräfte können in der Regel gut mit hohen Stressbelastungen und Eindrücken bei Einsätzen umgehen. Dennoch kann es Einsätze oder Eindrücke geben, die zu veränderten Reaktionen bei der Einsatzkraft führen und dadurch psychische Überbelastungen entstehen.“

Erstes Ziel der „PSNV-E“ sei es, solche psychischen Belastungen zu minimieren und die Entstehung von Krankheiten zu verhindern. Im Jahr 2013 sei das Team der „PSNV-E“ in der Abteilung Gefahrenabwehr des Kreises angesiedelt worden. Habe es in der Vergangenheit eine Handvoll Einsätze pro Jahr gegeben, so die Autorin der Pressemitteilung, so stieg der Bedarf nach der Flutkatastrophe im Juli 2021 enorm an.

Lawlor: „Unmittelbar nach der Flut wurden über 700 Einsatzkräfte durch die »PSNV-E« betreut. In Folge konnte weiteres Personal für die Einheit akquiriert, mit Unterstützung des Kreisfeuerwehrverbandes und einer großzügigen Spende der BASF-Stiftung weiter aus- und fortgebildet und beim Kreis Euskirchen als neue Kreiseinheit angebunden werden.“

19 qualifizierte Leute

Auch durch die Flut habe sich die Achtsamkeit der Einsatzkräfte verändert, es komme viel häufiger zu Nachsorgegesprächen. Sowohl die Führungskräfte, als auch die Einsatzkräfte seien sensibilisiert und die Hemmschwelle, das Team der Notfallversorgung anzufordern, sei gesunken.

Das „PSNV E“-Team besteht insgesamt aus 19 qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem Rettungsdienst, den Freiwilligen Feuerwehren, dem Roten Kreuz und den Maltesern sowie einer Diplom-Psychologin. Alle sind ehrenamtlich für die „PSNV-E“ im Einsatz.

Im Gespräch entwickeln sie Bewältigungsstrategien und verdeutlichen, dass es sich um normale Reaktionen auf ein unnormales Ereignis handelt. Die betroffenen Einsatzkräfte lernen die veränderten Reaktionen am Körper oder an der Psyche zu verstehen und zu akzeptieren. Solche entlastenden Gespräche sollten frühestens 24 bis 72 Stunden nach dem Ereignis stattfinden. Bei Bedarf vermittelt das „PSNV-E“-Team auch weiterführende Unterstützung wie eine Therapie.

pp/Agentur ProfiPress