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Prof. Dr. Pater Wolfgang Vogt ist tot

Als Schuljunge kam er aus Mülheim/Ruhr an den Bleiberg, der ihn nie wieder losließ: Schule, Primiz und Priesterjubiläum in Bergheim, Abitur in Bad Münstereifel, Noviziat in Vussem

Mechernich-Bergheim – Im Alter von 88 Jahren ist der aus Bergheim stammende Hiltruper Missionspater Professor Dr. Wolfgang Vogt M.S.C. gestorben. Das teilte Heinz-Willi Poensgen dem Mechernicher „Bürgerbrief“ mit. Er wurde am 28. Dezember auf dem Klosterfriedhof in Münster-Hiltrup beigesetzt. Bis 2009 hatte er in der Mission gewirkt, vor allem in Papua-Neuguinea.

Im April 2015 hatte Vogt mit der Dorfgemeinschaft Bergheim sein goldenes Priesterjubiläum gefeiert. In der ehemaligen Dorfschule, die gleichzeitig auch Kapelle von Bergheim ist, hatte er einst die Schulbank gedrückt. Seine Mutter verbrachte mit ihrem Söhnchen Wolfgang die Kriegsjahre 1943 und 1944 bei den Schwiegereltern in der Eifel. Geboren wurde Vogt in Mülheim/Ruhr.

Acht Jahre später, als die Volksschule in Mülheim 1952 geschlossen wurde, wechselte Vogt, der großelterliche Kontakt in Bergheim wird geholfen haben, an das St.-Michael-Gymnasium in Bad Münstereifel, wo er 1959 Abitur machte. Am 13. Mai 1960 trat Wolfgang Vogt im 15 Kilometer von Bad Münstereifel und nur einen guten Kilometer von Bergheim entfernten Vussem in das Noviziat der „Hiltruper Missionare“ M.S.C., den „Herz-Jesu-Missionaren“, ein.

Pater Wolfgang Vogt feierte 2015 in Bergheim sein 50-jähriges Priesterjubiläum. 43 Jahre lang war der Geistliche Missionar in Papua-Neuguinea, rechts der Bergheimer und Mechernicher Pfarrer und seinerzeitige Eifeldekan Erik Pühringer. Foto: Johannes Klinkhammer/pp/Agentur ProfiPress
Pater Wolfgang Vogt feierte 2015 in Bergheim sein 50-jähriges Priesterjubiläum. 43 Jahre lang war der Geistliche Missionar in Papua-Neuguinea, rechts der Bergheimer und Mechernicher Pfarrer und seinerzeitige Eifeldekan Erik Pühringer. Foto: Johannes Klinkhammer/pp/Agentur ProfiPress

Mit Regionaldekan Pühringer gefeiert

Weitere fünf Jahre später, im Mai1965, feierte er seine Primiz im Saal der alten Dorfschule in Bergheim. 50 Jahre später beging Pater Wolfgang dort sein 50-jähriges Priesterjubiläum, Konzelebrant war der damalige Regionaldekan und heutige GdG-Leiter Pfarrer Erik Pühringer aus Mechernich.

„Ich war sehr nervös. Aus dem Studium der Theologie und Philosophie zuvor jetzt raus in die Öffentlichkeit“, erinnerte sich der Jubilar an seine Primiz. Bei den Jubiläumsfeierlichkeiten gab es auch ein Wiedersehen mit vier ehemaligen Klassenkameraden aus der Schulzeit am St.-Michael-Gymnasium.

Auf die Missionsarbeit in der Südsee bereite sich Vogt seinerzeit in Sydney durch das Studium des englischen Schulrechts und australischer Erziehungswissenschaften vor, es folgten Promotion und Habilitation in Politik- und Erziehungswissenschaften. Als er im Bistum Rabaul anfing, begannen auch die Unabhängigkeitsbestrebungen des Inselstaates, der seit 1975 eine parlamentarische Monarchie im Commonwealth ist.

Eine Aufnahme von der Primiz im Mai 1965 im Schulhaus von Bergheim, das bis heute gleichzeitig als Kapelle dient. Repro: Heinz-Willi Poensgen/pp/Agentur ProfiPress
Eine Aufnahme von der Primiz im Mai 1965 im Schulhaus von Bergheim, das bis heute gleichzeitig als Kapelle dient. Repro: Heinz-Willi Poensgen/pp/Agentur ProfiPress

Pater Vogt wurde unter anderem Administrator, Offizial und Generalvikar der Diözese, ab 1987 leitete er die Gemeinde von Rabaul und gab zugleich Vorlesungen am Saint Pauls Teacher College in Vunakanao und war Studentenseelsorger.

1993 übernahm er die Gemeinde Gunanba und gab Vorlesungen am Priesterseminar in Rappolo. „Seine gesamte Bildungs- und Erziehungsarbeit war geprägt von dem Bemühen, die jungen Menschen zu mündigen Christen zu erziehen in einer sich rasant wandelnden Umwelt“, schreibt sein Superior P. Klaus Gräve in einem Nachruf.

2005 wurde Wolfgang Vogt monatelang in Sydney wegen eines Krebsleidens behandelt. „Aus gesundheitlichen Gründen kehrte er 2009 nach Deutschland zurück. Pater Vogt lebte in der Hiltruper Gemeinschaft und übernahm liturgische Dienste, solange es ging. In letzter Zeit verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Am 20. Dezember fand man ihn friedlich eingeschlafen in seinem Bett“, so Pater Gräve.

Bei den Jubiläumsfeierlichkeiten 2015 gab es auch ein Wiedersehen mit ehemaligen Klassenkameraden aus der Schulzeit am St.-Michael-Gymnasium. Archivfoto: Johannes Klinkhammer/pp/Agentur ProfiPress
Bei den Jubiläumsfeierlichkeiten 2015 gab es auch ein Wiedersehen mit ehemaligen Klassenkameraden aus der Schulzeit am St.-Michael-Gymnasium. Archivfoto: Johannes Klinkhammer/pp/Agentur ProfiPress

„Die Menschen leben auch noch heute in Hütten aus Gras und Stroh. Nur die Bessergestellten haben Holzhäuser“, erzählt Vogt beim Priesterjubiläum 2015 in Bergheim. Die Amtssprache sei Englisch („New Britain“), Zweitsprache Pidgeon-Englisch, „basierend auf der melanesischen Grammatik und verballhorntem Englisch“, so Pater Wolfgang.

Welche Sprache allerdings die wirkliche ist, das erfuhr er erst vor Ort: „Wenn ich an einem Tag drei Messen zu halten hatte, dann sprachen die Menschen nicht selten auch drei verschiedene Sprachen. Im Missionssprengel gibt es 700 unterschiedliche Dialekte.“

„Furcht vor Geistern genommen“

Die Seelsorgearbeit und der Kontakt zu den Menschen seien ihm immer wichtig gewesen. Dabei schätzten die Verantwortlichen im Erzbistum und bei seinem Orden auch sein pädagogisches Talent. Neben der Betreuung der Pfarreien war er Religions- und Sozialwissenschaftslehrer an staatlichen Schulen, lange auch Dozent an der kirchlichen Hochschule der Inselhauptstadt, ab 1987 hatte er eine Professur für Philosophie und Religionswissenschaft im Priesterseminar des 12.000-Enwohner-Hauptstädtchens.

1993 übernahm Professor Dr. Pater Wolfgang Vogt, hier mit Pfarrer Erik Pühringer 2015 in der St.-Barbara-Kapelle seines Wahlheimatortes Bergheim, die Gemeinde Gunanba in Neu-Guinea und gab Vorlesungen am Priesterseminar in Rappolo. „Seine gesamte Bildungs- und Erziehungsarbeit war geprägt von dem Bemühen, die jungen Menschen zu mündigen Christen zu erziehen in einer sich rasant wandelnden Umwelt“, schreibt sein Superior P. Klaus Gräve in einem Nachruf. Foto: Johannes Klinkhammer/pp/Agentur ProfiPress
1993 übernahm Professor Dr. Pater Wolfgang Vogt, hier mit Pfarrer Erik Pühringer 2015 in der St.-Barbara-Kapelle seines Wahlheimatortes Bergheim, die Gemeinde Gunanba in Neu-Guinea und gab Vorlesungen am Priesterseminar in Rappolo. „Seine gesamte Bildungs- und Erziehungsarbeit war geprägt von dem Bemühen, die jungen Menschen zu mündigen Christen zu erziehen in einer sich rasant wandelnden Umwelt“, schreibt sein Superior P. Klaus Gräve in einem Nachruf. Foto: Johannes Klinkhammer/pp/Agentur ProfiPress

Am 14. September 1994 kam die Zäsur. „Ein Vulkanausbruch nach einem Erdbeben. Halb Rabaul wurde zerstört. Die Vulkanausbrüche halten bis heute an, die Erde kommt nicht zur Ruhe“, so Pater Wolfgang 2015 in Bergheim. Das Naturereignis habe ihn beeindruckt, das Leid, das es auch über seine Missionsgemeinden brachte, wohl auch geprägt. 2009 nahm er Abschied.

Er habe seine Gemeinde gefragt, was ihnen seine Arbeit gebracht habe. „Sie haben uns befreit von der Furcht vor bösen Geistern!“, sei die Antwort der Neuchristen gewesen. „Aber Spiritismus und Cargo-Kult, der Glaube, dass die Ahnen für materiellen Reichtum der Lebenden verantwortlich sind, sind nach wie vor aktuell“, so Pater Wolfgang.

Im Dorfgemeinschaftshaus hatten die Bergheimer ihm zu Ehren ein Buffet aufgebaut. Im Hintergrund liefen Bilder aus Rabaul, 29 Flugstunden entfernt. Darauf immer wieder ein Missionar und Lehrer, den in Bergheim noch viele kennen. Er selbst hat Bergheim in all den Jahrzehnten nie ganz vergessen, bekannte er beim Jubiläum vor sieben Jahren: „Hier fühle ich mich wohl“.

pp/Agentur ProfiPress