Printen zum Zerspringen hart

 

Museumsbäcker Achim Möhrer gab beim „Advent für alle Sinne“ Tipps zur Lagerung der Spezialität aus Aachen und Umgebung – Lieder und Geschichten im Eifeler Freilichtmuseum Mechernich

Mechernich-Kommern – Der leckere Duft von frischen Backwaren hängt in der Museumsbäckerei in der Luft. Museumsbäcker Achim Möhrer arbeitet mit der Rolle an einem dicken Stück Printenteig. „Wir bereiten uns schon seit Wochen auf diesen Tag vor“, erzählt er Tim Nolden, dem Reporter der Kölner Tageszeitungen. Zum „Advent für alle Sinne“, der am Samstag und Sonntag im Eifeler Freilichtmuseum in Mechernich-Kommern stattfand, sind Printen aus eigener Herstellung ein Muss.

„Es gibt sie mit Nüssen oder mit Schokolade überzogen“, so Möhrer. Der Teig hat Tradition, sein Rezept wanderte von Meistermund zu Meisterohr. „Die Gewürze machen es aus“, verrät der Betreiber der Backstube unter der Schule in der Baugruppe Westerwald dem Reporter. Zuckerrübensirup und zwölf weihnachtliche Gewürze gehören in den Teig, um den besonderen Geschmack zu erzeugen.

Lehrer Hans-Josef Möhrer demonstrierte in der Westerwälder Dorfschule, wie die „Pänz“ früher Schönschreiben, Rechnen oder Lesen lernten. Natürlich mit Griffel und auf Tafeln . . . Foto: Tim Nolden/pp/Agentur ProfiPress
Lehrer Hans-Josef Möhrer demonstrierte in der Westerwälder Dorfschule, wie die „Pänz“ früher Schönschreiben, Rechnen oder Lesen lernten. Natürlich mit Griffel und auf Tafeln . . . Foto: Tim Nolden/pp/Agentur ProfiPress

Die Printen aus der Museumsbäckerei sind für viele Besucher etwas Neues. Wer nicht aus dem weiteren Umfeld von Aachen kommt, meint Möhrer, der wisse auch nicht, was Printen eigentlich sind. Anders als andere Weihnachtsplätzchen muss die Printe hart sein. „Printen müssen so hart sein, dass sie zerspringen, wenn sie auf den Boden fallen“, behauptet Achim Möhrer. Man lagert sie dann offen, mit einem Apfel dabei, erklärte der Museumsbäcker: „Dann werden sie durch den vielen Zucker im Teig von selber wieder weich.“

Unten Backstube, oben Unterricht

Die Wärme aus dem Holzofen, in dem am Samstag einige Printen gebacken wurden, sorgte auch in der Etage darüber für warme Füße.

„Früher war es üblich, dass es öffentliche Backöfen gab“, erklärte dort Lehrer Hans-Josef Möhrer in der Westerwälder Dorfschule. Deshalb befindet sich das Klassenzimmer des Museums auch direkt über der Backstube – die 250 Jahre alte Schule aus der Nähe von Remagen ist ein Gebäude mit zugänglichem Backofen.

„Es gibt sie mit Nüssen oder mit Schokolade überzogen“, so Museumsbäcker Achim Möhrer über seine Printen. Der Teig hat Tradition, sein Rezept wandert von Meistermund zu Meisterohr. „Die Gewürze machen es aus“, verrät der Betreiber der Backstube unter der Schule in der Baugruppe Westerwald im Eifeler Freilichtmuseum Mechernich. Zuckerrübensirup und zwölf weihnachtliche Gewürze gehören dazu. Foto: Tim Nolden/pp/Agentur ProfiPress
„Es gibt sie mit Nüssen oder mit Schokolade überzogen“, so Museumsbäcker Achim Möhrer über seine Printen. Der Teig hat Tradition, sein Rezept wandert von Meistermund zu Meisterohr. „Die Gewürze machen es aus“, verrät der Betreiber der Backstube unter der Schule in der Baugruppe Westerwald im Eifeler Freilichtmuseum Mechernich. Zuckerrübensirup und zwölf weihnachtliche Gewürze gehören dazu. Foto: Tim Nolden/pp/Agentur ProfiPress

Doch in der Schulstunde von Lehrer Möhrer geht es nicht ums Backen – es geht ums Schreiben, Rechnen oder Lesen. Damit man seine Schönschrift für die Weihnachtskarten noch ein bisschen aufbessern kann, zeigte der Museumslehrer den Besuchern, die das wollten, wie man vor 100 Jahren Schreiben lernte und wie die Schrift aussah. Natürlich mit Griffel und auf Tafeln . . .

Im Pingsdorfer Tanzsaal boten unter anderem Täschner und Buchbinder auf einem Adventsmarkt ihre Produkte an. Foto: Tim Nolden/pp/Agentur ProfiPress
Im Pingsdorfer Tanzsaal boten unter anderem Täschner und Buchbinder auf einem Adventsmarkt ihre Produkte an. Foto: Tim Nolden/pp/Agentur ProfiPress

Feuerzangenbowle und Maronen

Lehrer Möhrer erklärte den Gästen, wie die nach Ludwig Sütterlin benannte Schrift entstand – als Erleichterung für die Kinder, die schreiben lernten. „Diese Entwicklung gibt es bis heute“, behauptete der Museumsmagister. Schließlich arbeiteten die Grundschulen auch heute mit vereinfachten Schriften zum Erlernen des Schreibens.

Allerdings hatte die schöne Handschrift damals einen anderen Stellenwert als heute. „Sie wurde geübt“, erklärte Möhrer, „denn die Schrift wurde als Abbild der Persönlichkeit betrachtet.“

Lehrer Möhrer erklärte den Gästen, wie die nach Ludwig Sütterlin benannte Schrift  entstand – als Erleichterung für die Kinder, die Schreiben lernten. Foto: Tim Nolden/pp/Agentur ProfiPress
Lehrer Möhrer erklärte den Gästen, wie die nach Ludwig Sütterlin benannte Schrift entstand – als Erleichterung für die Kinder, die Schreiben lernten. Foto: Tim Nolden/pp/Agentur ProfiPress

In den Häusern und Höfen des Freilichtmuseums wurden beim „Advent für alle Sinne“ Lieder gesungen und Geschichten erzählt, dazu gab es Feuerzangenbowle, Bratäpfel und Maronen. Die Kinder konnten Weihnachtsschmuck basteln. Wer wollte, konnte im Tanzsaal aus Pingsdorf über einen Adventsmarkt bummeln, auf dem unter anderem Täschner und Buchbinder ihr Angebot präsentierten. Eine Laternenführung bei Anbruch der Dunkelheit rundete das Angebot ab.

 pp/Agentur ProfiPress