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Parksünder und “Knöllchenverteiler”

Parksünder und “Knöllchenverteiler”
Mitarbeiter der Bußgeldstelle Mechernich haben ein Auge auf dem ruhenden Verkehr – Blockierte Kundenparkplätze und versperrte Einfahrten sind regelmäßige Ärgernisse
Mechernich – Gabi Schumacher und Armin Kurtensiefen von der Bußgeldstelle der Stadt Mechernich haben ein waches Auge auf die Fußgänger- und Parkzonen im Stadtgebiet. Regelmäßig ziehen sie mit dem Erfassungsgerät los, um ihre Arbeit zu tun: Strafzettel verteilen. Das trifft natürlich nicht immer auf Gegenliebe bei den Fahrzeughaltern – vielen Geschäftsleuten und Anwohnern erweisen sie damit aber einen wichtigen Dienst.
Denn die Aufgabe der Mitarbeiter ist, den ruhenden Verkehr geordnet zu halten – also dafür zu sorgen, dass die parkenden Autos nicht stören. Gerade für Geschäftsleute, aber auch für Anwohner sind Parkflächen besetzende Dauerparker äußerst ärgerlich.
Dazu kommen die Zeitgenossen, die sogar beharrlich Einfahrten blockieren. Entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil verdient die Stadt übrigens nichts an den “Knöllchen” – laut Fachbereichsleiter Dieter Ferber kommt die Stadt durch die Kosten für Personal und Verwaltung auf “Plus-Minus Null”.
Gabi Schumacher und Armin Kurtensiefen treffen manchmal auf ungewöhnliche Methoden der Fahrzeughalter, einem Strafzettel zu entgehen. So trauten die beiden Ordnungshüter ihren Augen nicht, als sie auf eine deutlich sichtbar ausgelegte Parkscheibe trafen, die stets die aktuellste Zeit angab. Tatsächlich gibt es im Handel Parkscheiben mit eingebauter Uhr zu erwerben. Die Parkscheibe stellt sich dann automatisch weiter, was natürlich der Gesetzeslage widerspricht und dementsprechende Folgen hat.
Auch kontrollieren Schumacher und Kurtensiefen gegebenenfalls die Ventilstände der Reifen, wenn sie das Gefühl haben, dass jemand einen Kurzzeitparkplatz als Dauerparker benutzt. An der Lage der Ventile lässt sich feststellen, ob die Fahrer ihr Auto zwischenzeitlich bewegt haben und somit im Rahmen der Höchstparkdauer liegen – oder aber einfach zwischendurch die Parkscheibe weitergestellt oder den Parkautomaten neu “gefüttert” haben.
So mancher Verkehrsteilnehmer reagiert unwirsch und uneinsichtig, wenn er auf frischer Tat erwischt wird. “Es gab auch schon Fälle von Handgreiflichkeiten, die Anzeigen zur Folge hatten”, berichtet Gabi Schumacher. Doch in der Regel verläuft der Dienst problemlos. Eben weil auch hier feste Regeln gelten: Ist das “Knöllchen” erst gedruckt und damit im System vermerkt, dann gibt es kein Zurück mehr.
Die meisten Falschparker wissen genau, was sie da getan haben. Ausreden wie “ich musste nur mal gerade Brötchen holen” oder “das waren nicht mal fünf Minuten” sind dann häufige Floskeln. Günter Müller, der für die Sachbearbeitung in der Bußgeldstelle zuständig ist, sagt: “Manche Verkehrsteilnehmer werden allerdings nur deshalb zu Falschparkern, weil sie die Straßenverkehrsordnung nicht richtig kennen”.
Wünschenswert wäre es, dass jeder Fahrer gelegentlich seine Kenntnisse auf den neuesten Stand bringt, etwa, indem er sich in einer Fahrschule informiert.
Probleme, so Müller, gibt es beispielsweise immer wieder in Halteverbotszonen. Und deshalb gibt Müller gleich einen Tipp: In den Halteverbotszonen gelten nicht nur die Bereiche als Halteverbot, an denen die Schilder unmittelbar stehen, sondern auch oft in dazugehörigen Stichstraßen.
Manche unerlaubte Dauerparker scheinen allerdings unbelehrbar. In der Bahnstraße oder auf dem Bleibergplatz sind den Ordnungshütern “Spezialisten” bekannt, die pro Monat für mindestens 60 Euro Bußgeld falsch parken. Diese Art des penetranten Falschparkens fällt allerdings schon in die Kategorie “öffentliches Ärgernis”, und das kann dann sogar Punkte in Flensburg wegen “unsachgemäßem Gebrauch der Fahrerlaubnis” geben.
Mit ihren Erfassungsgeräten melden sich Schumacher und Kurtensiefen nach ihrem Rundgang bei Günter Müller zurück. Dieser speichert die Daten zunächst in den Computer und gleicht sie im Laufe der nächsten Tage mit dem Kraftfahrtbundesamt in Flensburg ab. Ärgerliche Mehrarbeit gibt es, wenn Fahrzeughalter umziehen, sich allerdings mit der Ummeldung ihres Fahrzeugs Zeit lassen. Denn dann muss erst die aktuelle Adresse ermittelt werden.
Vor allem Fahrer, die aus diversen Gründen dem Fahrzeughalter oder ihrem Umfeld den Strafzettel verschweigen möchten, bezahlen die Strafe bei den Mitarbeitern der Gemeinde noch bar am Auto oder auf der Bußgeldstelle im Rathaus.
Weiter kann das Strafgeld überwiesen werden. Wird der Betrag nach mehrfacher Aufforderung nicht beglichen, dann kann das ernstliche Folgen und vor allem weitere Kosten nach sich ziehen. Rund 150 “Knöllchenfälle” kommen an insgesamt vier Wochentagen zusammen, im vergangenen Jahr waren es 8500 Strafzettel bei etwa 27 000 Einwohnern.
pp/Agentur ProfiPress

Manfred Lang

22.10.2007