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Mit Rute und Harke

Helmut Schoddel vom städtischen Mechernicher Bauhof ist in seiner Freizeit ein passionierter und ambitionierter Angelsportler und Tourenführer – Die Woche über mit Harke und Säge in städtischen Anlagen, am Wochenende mit seinem Unternehmen „Pike Attack“ auf hoher See

Hier kann sich Helmut Schoddel mit einem kapitalen Rapfen, einem kampfstarken Raubfisch, vor der Kamera präsentieren. Rapfen stehen zum Beispiel bei den Maas-Touren des Strempter Angelführers mit auf der Fangliste. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich/Holland – Es ist sechs Uhr morgens, Dunkelheit und dichter Nebel liegen über der See. Wasser klatscht gegen den Steindamm, der die Ufer am kleinen Hafen am Hollandse Diep vor Wellenschlag schützen soll.

An der abfallenden Slip-Rampe sind Männer damit beschäftigt, ein Boot zu Wasser zu lassen. An Steuer- und Backbordseite steht in großen Lettern „Pike Attack“. Rücklichter und Bremslichter am Trailer leuchten auf, der Kombi mit EU-Kennzeichen zieht an, das Boot schwimmt auf.

Es handelt sich um das Angelboot von Helmut Schoddel aus Strempt (Stadt Mechernich), das da mit Leinen am Steg festgemacht wird. Die Motorentanks sind aufgetankt, Angelzeug wird an Bord gebracht. Das Boot mit dem Schriftzug „Pike Attack“ (Englisch = Hechtangriff) ist bereit für einen aufregenden Fangtag in den binnenwärtigen Gewässern der seeländisch-niederländischen Küste. Helmut Schodell kennt sich dort aus wie im heimischen Gartenteich. Er hat Angelgäste mitgebracht. Schoddel ist der Experte und ihr Führer in diesen Gewässern.

Solche Touren sind Teil von Helmut Schoddels gleichnamiger Firma „Pike Attack“. Der Mann arbeitet die Woche über als Grünfachmann beim städtischen Mechernicher Bauhof, am Wochenende sticht er als semiprofessioneller Angel-Guide in See. Zu seinen bevorzugten Revieren gehören die Maas und das Hollandse Diep, die Gewässer von Südholland und der noch südlicheren Provinz Zeeland.

Früh übt sich: Schoddel angelt seit dem achten Lebensjahr

Unter der Woche fährt Helmut Schoddel um diese Uhrzeit in Neonorange gekleidet zur Arbeit. Er ist gelernter Forstwirt und arbeitet als Kolonnenführer in einer der drei Grün-Kolonnen beim Bauhof der Stadt Mechernich. Am Wochenende aber schlägt sein Herz für das Hobby.

Der mittlerweile 47-Jährige angelt seit seinem achten Lebensjahr. Ein früherer Nachbar hatte ihn damals mit zum Forellenteich genommen und ihn mit der Angelleidenschaft infiziert. Vor allem die Erzählungen des Mannes vom Fang kapitaler Hechte in Irland und kampfstarker Flussräuber in Holland hatten es dem jungen Helmut Schoddel angetan. „Damals habe ich mir den »Raubfisch-Virus« eingefangen“, scherzt Schoddel im Interview.

Seit 2005 ist der Strempter selbst ein Angel-Guide und gibt auf den Touren sein Wissen an weniger erfahrene Angler weiter. Er erklärt ihnen das so genannte „Vertikalen“  in optimalen „Driften“ – eine spezielle Angeltechnik, bei der Boot und Haken in der Vertikalen an den Fisch heran treiben – vorbei an Kanten und Abbrüchen über Grund, also an Stellen, an dennen die Fische „stehen“, wie der Angler das nennt.

„Unsere erfolgreichste Strecke hier in Südholland waren 45 Zander an einem Tag.“, berichtet Helmut Schoddel. An der Maas wurden einmal   80 Raubfische an einem einzigen Angeltag geködert und gefangen. Wohlgemerkt geködert und gefangen, nicht „abgeschlagen“ und getötet: Raubfischfänger, die mit Helmut Schoddel auf Angeltour gehen, vermessen, wiegen und fotografieren ihre Beute in der Regel nur, ehe sie den Haken mit speziellem Werkzeug möglichst unblutig aus dem Fischmaul entfernen und den gefangenen „Räuber“ wieder in die Freiheit entlassen.

Weltweit hat der gebürtige Strempter Angel-Erfahrungen gesammelt

Helmut Schoddel ist ein ausgewiesener Raubfischexperte. Er bietet seine diesbezügliche Erfahrung und seine Dienstleistung als Guide nicht nur im In- und Ausland an. Er unterhält und betreibt in seinem Heimatort Strempt auch ein Fachgeschäft und einen Internetshop mit bestem und breitem Sortiment für Raubfischangler. Über die Jahre hat Schoddel sich so international mit „Pike Attack“ einen Namen gemacht. Zu seinem Sortiment gehört unter anderem ein selbstentwickelter Köder namens „Schoddler“, den Helmut Schoddel in China produzieren lässt.

Eine weitere Sparte in Helmuts Schoddels Laden am Strempter Rochusplatz sind maßgeschneiderte Ruten. Mit den Marken „Sword“ oder „Robert Hirtz Custom Rods“ hat er renommierte Rutenbauer an der Hand, die Unikate exakt nach den Vorstellungen der Kunden herstellen.

„Man kann die beste Ausrüstung der Welt haben, aber trotzdem nichts  fangen“, sagt Helmut Schoddel zum Thema Ausrüstung. Neben dem Wissen, das sich Helmut Schoddel auf Touren in Kanada, Alaska, Norwegen, Schweden, Irland, Italien, Frankreich und Spanien angeeignet hat, studiert er regelmäßig Fachliteratur und Zeitschriften, um immer auf dem neusten Stand zu sein.

„Als Angler muss man nicht nur wissen, wo der Fisch zu welcher Jahreszeit steht – man muss auch ein Gefühl für biologische Rhythmen entwickeln. Alles spielt mit hinein, ob man fängt oder nicht“, sagte Helmut Schoddel dem Reporter der Agentur ProfiPress. Es sei ein Unterschied, ob Hoch- oder Tiefdruck herrsche, Regen falle oder die Sonne scheine, Voll- oder Halbmond sei oder Pollenflug bestimmter Pflanzen grassiere.

Meistens gehen erfahrene Angler mit Helmut Schoddel auf Fangtour, die sich schon in der Sportfischerei auskennen und nun beim Raubfischangeln in eine andere Dimension vordringen möchten. Manchmal befindet sich aber auch ein hundertprozentiger Anfänger unter den Gästen des Strempter Guides: „Als ich einmal morgens an der Maas ankam, erzählte mir einer meiner Angelgäste, dass er noch nie gefischt hat. Dem habe ich dann erst mal das Auswerfen beigebracht – und prompt hakt dieser Mensch einen über einen Meter langen Hecht, einen echten Traumfisch . . .“

Aber, auch diese Weisheit gibt der Angellehrer an seine Schülerinnen und Schüler weiter: „Jeder Angel-Tag ist anders – man kann nicht wie im Supermarkt die Fische aus dem Regal nehmen, wie man sie gerne hätte.“ Aber, so der Mechernicher Stadtbeschäftigte und leidenschaftliche Angler: „Genau das ist es, was das ganz Besondere ausmacht . . .“

Informationen unter www.pike-attack.de, pike-attack@t-online.de oder tel. 02443/8428.

Felix Lang/pp/Agentur ProfiPress