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Mit dem Fahrrad auf dem Jakobsweg

Mit dem Fahrrad auf dem Jakobsweg
Jürgen Sauer, Vorsitzender des Fördervereins für das Mechernicher Hospiz “Stella Maris”, hat als Pilger schon über 3500 Kilometer im Fahrradsattel gesessen – Diavorträge zugunsten des Hospizes der Communio in Christo
Mechernich/Compostela – Seit seiner Kindheit träumte der frühere AOK-Regionaldirektor Jürgen Sauer (66) davon, auf dem weltberühmten Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Spanien pilgern. Den Grundstein für seine Liebe zum Pilgern legte noch zu Sauers Messdiener-Zeiten sein Pfarrer, wie er berichtete: “Der war viel herumgekommen und zeigte uns im Winter immer schöne Dias von seinen Reisen, darunter waren auch Rom, Jerusalem und der Jakobsweg nach Santiago de Compostela.” Der Bericht des Priesters habe ihn so fasziniert, dass für ihn feststand: Eines Tages muss sein Weg ihn nach Compostela führen!
“In Rom und Jerusalem war ich schon”, berichtete der Vorsitzende des Fördervereins für das Mechernicher Hospiz “Stella Maris”, in Trägerschaft der Communio in Christo. Doch erst in seinem Ruhestand sollte Jürgen Sauer die Zeit dafür finden, die aufwändige Reise nach Spanien anzutreten. Also machte er sich 2007 auf den Weg zu seiner ersten Etappe gen Compostela – und zwar mit dem Fahrrad. “Ich fahre privat viel mit dem Rad und habe mich über mehrere Wochen auf die Fahrt vorbereitet – das sollte man auch unbedingt tun, es gibt einige Pilger, die die Reise abbrechen müssen.”
Wie die Journalistin Miriam Schäfer im “Kölner Stadt-Anzeiger” schrieb, trafen den gläubigen Wißkirchener kurz vor seiner ersten Reise 2007 einige harte Schicksalsschläge: “Er verlor innerhalb kürzester Zeit mehrere Personen, die ihm lieb und teuer waren. »Das hat mich dann nur noch mehr bekräftigt, diesen Weg zu gehen«, so Sauer.”
Mit seinem ersten Stempel im Pilgerpass machte sich Jürgen Sauer von Wißkirchen aus mit dem Trekkingrad über Frankreich nach Pamplona in den Pyrenäen. Auf dieser Pilgerfahrt habe er Christen aus aller Welt getroffen, darunter auch viele aus Asien, Südamerika, Australien und Neuseeland – aber auch aus der Eifel. Sauer: “Auf dem Jakobsweg funktioniert Völkerverständigung über alle sprachlichen Barrieren hinweg.” Die Gastfreundschaft der Einheimischen sei einfach überwältigend gewesen.
Allerdings bemerkte er auch die vielen Kreuze am Wegesrand, die an auf dem Pilgerweg verunglückte Radfahrer erinnerten. “Es gibt ein ganzes Netz von Pilgerwegen, aus der Ukraine, England, Irland, dem Baltikum. An den Wegstrecken gibt es aus früheren Jahrhunderten auch einige Pilgerfriedhöfe – damals gab es kein Handy, kein Auto, das einen abholt, kein Zug oder Flugzeug, die einen zurückbringen konnte.” Auch deshalb habe er vor der jeweils nächsten Tagesetappe morgens eine Kerze in einer Kirche angezündet. “Und ich habe darum gebetet, gesund am Ziel anzukommen”, sagte Sauer.
Mit seiner Frau habe er sowieso abgesprochen, dass er nicht alleine auf die Pilgerreisen geht: “Ich hatte meinen Enkel oder Freunde mit dabei.” Bevor Jürgen Sauer dann 2008 die nächste Etappe von Pamplona nach Santiago de Compostela aufbrach, sammelte Sauer daheim drei Steine, um sie am “Cruz de Ferro” abzulegen – dort liegen Millionen von mitgebrachten Steinen unter einer hohen Säule, die ein schlichtes Eisenkreuz ziert. Jürgen Sauer legte seine Steine dazu und wünschte sich Gesundheit für Familie und Freunde.
“Übernachtet wurde in günstigen Pensionen, Privatzimmern und in Pilgerherbergen, falls ein Platz frei war. Denn dort dürfen vorrangig die Fußpilger nächtigen.”, schrieb Miriam Schäfer. Wie Sauer berichtete, machen sich auch einige Pilger mit dem Pferd auf den Weg: “Für die gibt es spezielle Herbergen mit Stallungen.” Man lerne viele Menschen kennen auf dem Pilgerfahrt und erfahre von den verschiedensten Motiven, aus denen sich die Menschen auf den Weg zu der weltberühmten Pilgerstätte machen.
Als er die Türme der Kathedrale von Santiago erstmals erblickte, habe er sich gerade auf den Monte Gozo (Berg der Freude) befunden. “Ich war so unglaublich dankbar, dass ich nach all den Mühen und Strapazen heil am Ziel angekommen war”, so Sauer – im Schnitt waren es 60 bis 70 Kilometer, die er jeden Tag im Sattel saß, an steilen Stellen 40 bis 50 Kilometer, aber auch schon mal über 100 Kilometer auf einfachen Strecken.
Miriam Schäfer: “Monatelang saß er später zuhause, klebte Fotos ins Album ein, schrieb seine Erinnerungen nieder. Zudem verfolgte er sogar im Internet die Übertragung der Mittagsmesse aus der Kathedrale in Santiago de Compostela. Tief berührt von den Erlebnissen, beschloss er, auf neuen Wegen weiter zu pilgern.
2009 fuhr er dann in drei Etappen von Breslau (Polen) nach Wißkirchen.”
Die Frömmigkeit der Polen und ihre einfache, aber glückliche Lebensweise haben den 66-Jährigen beeindruckt. “In vielen Vorgärten waren Ziegen, Hühner oder Kaninchen. Das hat mich sehr an meine eigene Kindheit erinnert.” Als er vom polnischen in den deutschen Teil der Stadt Görlitz über die “Brücke der Freundschaft” fuhr, war er allerdings schockiert: Dort hingen entlang der Uferpromenade Plakate der NPD mit dem Satz “Stoppt die Poleninvasion”. Jürgen Sauer: “Da habe ich mich wirklich geschämt. Wie kann man so voller Hass sein?”
Doch die positiven Erlebnisse überwiegen bei weitem: Auch nach über 3500 Kilometern im Fahrradsattel habe er noch immer nicht genug vom Pilgern. “Die 4000 will ich in diesem Jahr noch vollkriegen”, so Jürgen Sauer. In der Eifel hält Sauer Diavorträge über seine Pilgerreise, die Spenden, die dabei zusammenkommen, gibt er an das Hospiz “Stella Maris” weiter.
2010 sei ein besonderes Jahr in Santiago de Compostela: “Neujahr hat der Bischof eine Heilige Pforte in der Kathedrale geöffnet, die sonst verschlossen ist. Denn immer, wenn der Geburtstag des Heiligen Jakobus auf einen Sonntag fällt, wird ein Heiliges Jahr ausgerufen. Dann machen sich besonders viele Pilger auf den Weg.”
pp/Agentur ProfiPress

Manfred Lang

15.01.2010