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Kein Beruf wie jeder andere

Kein Beruf wie jeder andere
Frank Strang ist der erste und bislang einzige Lehrbetrieb im Kreis Euskirchen, der zur “Bestattungsfachkraft” ausbildet – Nach Tochter Julia (20) kann im Juli 2008 ein zweiter Lehrling anfangen – Vielseitiges Berufsbild mit viel Potenzial für kreative und einfühlsame Menschen
Mechernich – Bestatter ist kein Beruf wie jeder andere. Eher eine Berufung, wie die Eltern von Frank Strang einstmals von dessen Lehrherrin zu hören bekamen. Der junge Mann aus der Mechernicher Bergstraße hatte in seiner Schreinerlehre, während der er auch mit beerdigen musste, sein besonderes Faible für den Bestatterberuf entdeckt. Die Eltern waren zunächst entsetzt, aber Meister und Meisterin warben um Verständnis: “Lott der Jong, der kann datt – unn datt öss en besondere Bejabung.”
Eine besondere Begabung, die sich offensichtlich weiter vererbt hat. Denn zurzeit lernt auch Frank Strangs Tochter Julia (20) im elterlichen Betrieb den Beruf der “Bestattungsfachkraft”. Damit ist Strangs “Haus des Abschieds” in Mechernich “der erste und bislang auch einzige Ausbildungsbetrieb für den Ausbildungsberuf »Bestattungsfachkraft« im Kreis Euskirchen, Handwerkskammerbezirk Aachen”, wie die für den Beruf zuständige “Theo-Remmertz-Akademie” in Münnerstadt (Bayern) und die Handwerkskammer Aachen Frank Strang sogar schriftlich bestätigen.
Weil Julia Strang wegen sehr guter Leistungen statt nach der üblichen drei bereits nach zweieinhalb Ausbildungsjahren ihre Lehre im Januar 2009 erfolgreich abschließen kann, will Frank Strang schon im Juli 2008 wieder einem neuen Azubi die Chance geben. “Bestattungsfachkraft ist ein unheimlich vielseitiger Beruf”, sagt Julia Strang, die ursprünglich nach der Fachoberschulreife Erzieherin werden wollte, sich dann aber doch für die Mitarbeit im elterlichen Betrieb entschied.
“Eventmanager” und Seelsorger
“Wir geben Verstorbenen ihre Würde wieder”, konstatiert Frank Strang und das sei eine Art Unternehmensphilosophie im “Haus des Abschieds”. Seine Tochter habe ein ganz besonderes Händchen für individuelle Dekorationen und Ausgestaltungen von Trauerfeiern. In einer Zeit, in der die kirchliche Bindung der Menschen sich doch sehr gelockert hat, ist der Bestatter oft auch Seelsorger der Trauernden, “Eventmanager” für die “Verabschiedungsfeier” und Trauerredner, der Mann oder die Frau, die alles regeln. Vom ” Beurkunden” auf dem Standesamt über Todesanzeige und Gedenkzettel bis hin zur Dekoration in der Kirche bzw. Friedhofshalle.
Julia Strang lernt beim Blockunterricht in der staatlichen Berufsschule in Bad Kissingen alle sechs Wochen zwei Wochen lang Fächer wie Trauerpsychologie, Versorgung und Beratung, Betreuung, und Betriebsprozesse, aber auch Deutsch, Englisch und Geschäftsmathematik. Eine “Bestattungsfachkraft” wie die 20jährige Mechernicherin muss einfach alles wissen, was mit Tod, Sterben und Beerdigungen zu tun hat.
Auch medizinische, hygienische und juristische Dinge. Auf dem Lehrfriedhof in Münnerstadt lernte die Mechernicherin mit ihren anfangs 31 und jetzt noch 24 Mitschülern aus dem ganzen Bundesgebiet auch Gräber per Hand und maschinell auszuheben sowie Kremationstechnik und Warenkunde.
Alles zusammen macht den Bestatterberuf zu einer sehr vielseitigen Angelegenheit, bei der kunsthandwerklich ambitionierte Menschen wie Julia Strang auch ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. “Wir haben noch nie die gleiche Dekoration zweimal gestellt”, betont Lehrherr und Vater Frank Strang, der versucht, jedem Verstorbenen zum Abschied ein individuelles Begräbnisambiente zu geben: “Jeder Mensch ist einzigartig in seiner Art und Weise, demnach kann seine Bestattung oder Verabschiedungsfeier passend zur Person oder seines Daseins gestaltet werden!”
Fußballaccessoires und Bierwagen
Frank Strang greift dabei auch zu durchaus ungewöhnlichen Methoden, um seinen Kunden gerecht zu werden. Der Wille des Verstorbenen ist ihm dabei Befehl, auch wenn er dazu zur Trauerfeier in der eigenen Hauskapelle Fußballaccessoires arrangieren soll und für die dritte Halbzeit nach der Trauerfeier einen Bierwagen bestellt. Für andere werden exklusive Buffets, Musik und anderes für die Trauerfeierlichkeiten zu Hause arrangiert – einmal sogar, als bisheriger Höhepunkt, zur Mitternacht ein Höhenfeuerwerk über dem Rhein.
Das einfühlsame Beratungsgespräch und die individuelle Begleitung der Trauernden gehört für das Mechernicher Bestattungshaus “Haus des Abschieds” genauso zur Unternehmensphilosophie, “Menschen ihre Würde zurück zu geben, wie die Kniffe einer speziellen hygienischen und kosmetischen Versorgung sowie der pietätvolle Umgang mit dem Verstorbenen. Die Bestattungsfachkraft muss auch das Tätigkeitsfeld eines Thanatologen verinnerlichen, der Leichname balsamiert und somit den Familien ein Abschiednehmen über einen längeren Zeitraum ermöglicht, auch wenn die Toten nach Unfällen entstellt waren.
Auch die Tätigkeiten des Kaufmanns, des Floristen und des Dekorateurs sind im professionellen Bestatterberufsfeld enthalten. “Die Würde des Menschen”, betont Frank Strang, sei auch dann noch “unantastbar, wenn er tot ist.” Strang nennt das, was er mit seiner Ehefrau Edith und Tochter Julia und bald mit dem neuen Auzubi betreibt, “Bestattungskultur”. Der Bestatter helfe den Trauernden letztendlich dabei, in Ruhe und Geborgenheit sowie in aller Würde Abschied zu nehmen. Und zwar in der Form und unter Berücksichtigung und Akzeptanz dessen, was der Verstorbene oder die Angehörigen wünschen.
Alle Zeit der Welt, auch wenn es Mitternacht ist
Dazu gewährt das Mechernicher Unternehmen den Angehörigen “alle Zeit, die sie brauchen.” Die Leute dürfen nicht merken, wenn der Bestatter unter Terminstress steht. Und der gibt sich auch dann nicht genervt, wenn Angehörige um 23 Uhr anrufen, weil sie von ihren Verstorbenen im Haus des Abschieds unbedingt zu diesem Zeitpunkt noch mal Abschied nehmen möchten.
Diesen “Rund-um-die-Uhr-Service” sollte der neue Auszubildende zur “Bestattungsfachkraft”, den oder die Frank Strang im Juli 2008 anstellen will, ebenso im Blickfeld haben wie die Nebenkosten der Ausbildung von rund 7000 Euro. Zwar erhält der Lehrling ganz normal seine Ausbildungsvergütung und der Lehrbetrieb zahlt auch die Schule. Aber Fahrt, Unterkunft und Verpflegung anlässlich des Blockunterrichts in Bayern müssen über drei Lehrjahre selbst übernommen werden. Einen Kostenzuschuss gewährt das Land NRW.
pp/Agentur ProfiPress
Infokasten
Sterben, Tod und Trauer sind noch immer gesellschaftliche Tabuthemen. “Dabei sind sie ganz normale Bestandteile unseres Lebens”, sagt Frank Strang, dessen “Haus des Abschieds-Strang ” in Mechernich, Bruchgasse 34, laut Auskunft der staatlichen Berufsschule in Bad Kissingen der erste und einzige Ausbildungsbetrieb für den Ausbildungsberuf “Bestattungsfachkraft” im Kreis Euskirchen ist. Strang hat seine Tochter Julia (20) ausgebildet, ab Juli 2008 kann eine oder ein neue/r Azubi bei ihm anfangen. Die Lehrzeit beträgt drei Jahre. Interessenten können sich unter Tel.: 0 24 43/ 90 13 90 informieren. (pp)
www.Hausdesabschieds-Strang.de

Manfred Lang

13.05.2008