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“Jeder Mensch sollte einen Lieblingsbaum haben!”

Mit dem Waldschrat unterwegs
Rotkreuz-Kindergärten im Nationalpark – Sondergenehmigung für das Douglasien-Auszupfen – “Jeder Mensch sollte einen Lieblingsbaum haben”
Schleiden-Gemünd – Am Freitagmorgen versammelt sich eine aufgeregte Kinderschar am Wanderparkplatz “Tönnishäuschen” oberhalb von Gemünd. Begrüßt werden sie von Waldführer Klaus Hemmers. “Jeder Mensch sollte einen Lieblingsbaum im Nationalpark haben”, sagt der 65jährige. Bei ihrem Wald-Ausflug, zu dem sie nun starten, haben die Kinder der Schleidener Rotkreuz-Kindergärten Oberhausen und der beiden Familienzentrum-Kindergärten “Im Wingertchen” und “Am Kreuzweg” dafür genügend Auswahl. Den gesamten Freitagvormittag folgten die Kinder Hemmers, der liebevoll “Waldschrat” genannt wird, durch den Nationalparkwald am Dürener Berg.
“Dazu haben wir eine Sondergenehmigung bekommen”, sagt der ausgebildete Waldführer des Nationalparks Eifel. Bevor die Gruppe den Wald betritt, schärft er den Kindern ein, die Natur zu achten. Auf dem Rundgang hält Hemmers immer wieder an und macht auf Dinge aufmerksam, an denen viele vorübergegangen wären. Fliegenpilze, Baumschösslinge oder die von Wildschweinen aufgewühlten Stellen werden genau begutachtet und erklärt. Sobald der Waldschrat anhält, bildet sich sofort eine Traube von Kindern um den kundigen Herrn.
“Wisst ihr, was das für ein Baum ist?”, fragt Hemmers die Kinderschar und zeigt auf einen abgestorbenen Stamm mit zahlreichen Löchern. “Das ist ein Spechtbaum!”, weiß ein kleines Mädchen. Hemmers erklärt auf seine sympathische Weise, warum der Specht mit seinem Schnabel laut auf den Baum einhämmert. “Wenn bei Euch einer an die Tür klopft, linst ihr doch auch durch die Gardine, um zu sehen, wer da ist”, sagt Hemmers. Genauso würden Maden und andere Tiere herauskommen und dem Vogel damit als Nahrung dienen.
“So ist das nun mal, ihr esst ja auch Fleisch”, fährt der Waldführer fort. Dann dürfen die Kinder kleine Douglasien auszupfen. Erzieherin Birgit Wessing vom Rotkreuz-Kindergarten “Im Wingertchen” erklärt: “Die Douglasie ist kein heimischer Baum, das dient also der Waldpflege”. Im Kindergarten würden sie fast ständig über Natur sprechen, in der momentanen Erntezeit stünde auch immer Obst auf dem Tisch. So waren viele Kinder begeistert, als sie von dem Tag in der freien Natur hörten.
Fast schon ehrfürchtig lauschen die “kleinen Menschen”, wie Hemmers die Kinder respektvoll nennt, den Worten des Waldführers, die er mit vielen Gesten untermalt. Manche sind so beeindruckt, dass ihnen ein einfaches “Waldschrat” nicht über die Lippen kommt, obwohl Hemmers sie dazu ermutigt. Und so sagen die Kinder “Herr Waldschrat” oder fügen sogar einen Doktortitel dazu, so beeindruckt sind die “Pänz” von dem Wissen ihres Führers.
Der ist früher Jäger gewesen. Hemmers: “Aber ich wurde vom Saulus zum Paulus und habe alle Waffen verkauft”. Nun freue er sich sehr über die konstruktive Arbeit, die er im Nationalpark leisten kann. Zum Abschluss der Exkursion durften sich die Kinder auf eine Schatzsuche begeben. “Ich habe etwas zum Essen versteckt”, verrät Hemmers.
pp/Agentur ProfiPress

Manfred Lang

25.10.2007