Integration im Wandel

Erfolgreicher Fachtag „Kompetenz Integration“ – DRK bot interessante und weiterführende Workshops an – Praktische „Werkzeugkoffer“ und motivierende Erkenntnisse für die  Teilnehmer

Vogelsang – „Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einem Flughafen, in der Ankunftshalle und wollen eine ganz bestimmte Person abholen, die Sie aber gar nicht kennen, noch nicht mal von einem Foto“, versetzte Boris Brandhoff, von der Integrationsagentur des DRK-Kreisverbands Euskirchen, die Teilnehmer des Workshops bewusst in eine ungewohnte und verunsichernde Situation.

Umarmen oder an der Wange riechen – die Rollenspielkarte forderte gespielt zur Nähe mit dem Fremden auf. Das erforderte ein Umdenken der gewohnten Strategien. Das Rote Kreuz zeigte im Workshop Lösungswege auf. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Der Kreis Euskirchen hatte zusammen mit dem Kommunalen Integrationszentrum Euskirchen zum zweiten Fachtag „Kompetenz Integration“ nach Vogelsang eingeladen.

Das Rote Kreuz im Kreis Euskirchen bot hilfreiche Workshops und praktischen „Werkzeugkoffer“ an. Das Konzept des Fachtags sei einmalig, lobte Manfred Poth, Integrationsbeauftragter und Allgemeiner Vertreter des Landrates.

Unterschiedliche Erlebnisse, Kulturen oder auch Ängste spielen eine große Rolle beim Aufeinandertreffen, erklärte Boris Brandhof, Integrationsagentur des DRK-Kreisverbands Euskirchen. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse, rund 90 Teilnehmer trafen sich im Forum. Ehrenamtlich oder hauptamtlich Engagierte, geflüchtete und zugewanderte Menschen tauschten sich rege aus.

„Mit Vielfalt umgehen“

„Wer sich auf dem Gebiet der Flüchtlingshilfe oder der Integrationsarbeit engagiert, begegnet Menschen, deren Leben ganz anders verlaufen ist als das eigene“, erklärte Brandhoff den Workshop-Teilnehmern, dessen Thema lautete: „Mit Vielfalt umgehen“ leitete. Schließlich spielten unterschiedliche Erlebnisse, Kulturen oder auch Ängste eine große Rolle beim Aufeinandertreffen.

In den Workshops: Ehrenamtlich oder hauptamtlich Engagierte, geflüchtete und zugewanderte Menschen tauschten sich rege und auf Augenhöhe aus. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Umarmen oder an der Wange riechen– die Rollenspielkarte forderten zur Nähe mit dem ankommenden Fluggast auf. Die Teilnehmer verspürten sichtbar leichtes Unbehagen. Gewollt, so Brandhoff. „Vielfalt bedeutet, dass wir mit den Strategien, die wir normalerweise in unserem gewohnten Umfeld anwenden, nicht so ohne weiteres weiterkommen.“ Man müsse raus aus der Komfortzone und wissen, welche Kompetenzen helfen. Brandhoff zeigte für solche Fälle Lösungswege auf.

Abi Salom Dean, von der Regionalen Flüchtlingsberatung des Roten Kreuzes im Kreis Euskirchen, zeigte in seinem Workshop auf, dass der Weg das Ziel ist und manchmal auch kleine Schritte zum Erfolg in der Betreuung der geflüchteten Menschen führen.

Das Interesse war groß am zweiten Fachtag „Kompetenz Integration“, bei dem das Euskirchener Rotkreuz zwei Workshops leitete. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Integration dauert Zeit

Gut Ding will schließlich Weile haben, meinte auch Carsten Düppengießer der Caritas-Migrationsagentur. „Wissenschaftler gehen davon aus, Integration dauert mindestens eine Generation.“

Die Willkommenskultur befinde sich im Wandel, sagte er weiter: „Die erste Willkommenskultur ist längst vorbei, jetzt geht es um Integrations- und Begegnungskultur“. Die geflüchteten Menschen benötigen jetzt verstärkt soziale Kontakte, nachdem sie die Sprachbarrieren überwunden haben.

Haben wir letztlich nicht alle Migrationsgeschichten zu erzählen?, fragte Professor Dr. Josef Freise, Professor der Katholischen Hochschule NRW in seinem Vortrag. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Kontakte seien wichtige Schritte auf dem Weg zur Integration, wie Prof. Dr. Josef Freise, Professor der Katholischen Hochschule NRW, deutlich machte: „Integration ist gelungen, wenn jeder von uns Begegnungen und Freundschaften mit unterschiedlicher Herkunft hat.“

Heise sagte abschließend: „Letztendlich können wir doch irgendwie alle Migrationsgeschichten erzählen“, sagte Freise. Das fange doch schon im Kleinen an, wenn die Mutter aus dem Münsterland und der Vater aus dem Ruhrgebiet stammt.

pp/Agentur ProfiPress