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In 70 Ehejahren auch durch harte Zeiten gegangen

Agnes und Peter Caster feierten seltenes Ehejubiläum – Bundespräsident gratulierte in einem Brief

Mechernich-Roggendorf – Ein ganz besonders seltenes Fest feierte jetzt ein Jubelpaar aus Roggendorf: Die Eheleute Agnes und Peter Caster begingen im engsten Kreis der Familie ihre Gnadenhochzeit. Nach 70 gemeinsamen Ehejahren hat das Ehepaar die meiste Zeit des Lebens zusammen verbracht. Zu den Gratulanten zählten auch Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick, Ortsvorsteher Thomas Tampier und Landrat Günter Rosenke. Eine ganz besondere Überraschung waren das von Bundespräsident Joachim Gauck unterzeichnete Glückwunschschreiben und die ebenfalls handschriftlichen Gratulationen von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Regierungspräsidentin Gisela Walksen.

Kennengelernt hat die junge Agnes, Tochter des Schuhmachers Adenau aus Bleibuir, ihren Peter kurz vor Kriegsausbruch in der Werkstatt des Vaters, wo der junge Mann aus Denrath in die Lehre ging. Bald darauf trennte der Krieg vorübergehend die Jungverliebten. Der Tatsache, dass er im Russlandfeldzug im Schützengraben verwundet und daraufhin beurlaubt wurde, verdankt Peter Caster vermutlich sein Leben. „Aufgrund seiner Verletzung wurde er nicht in den Kessel von Stalingrad, sondern nach Hause geschickt“, berichtet sein jüngster Sohn Franz-Josef Caster.

Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick (r.) und Landrat Günter Rosenke (l.) gratulierten den Eheleuten Agnes und Peter Caster aus Roggendorf zur Gnadenhochzeit. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress
Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick (r.) und Landrat Günter Rosenke (l.) gratulierten den Eheleuten Agnes und Peter Caster aus Roggendorf zur Gnadenhochzeit. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Kurz nach Kriegsende gaben sich die heute 92-jährige Agnes und der drei Jahre ältere Peter Caster das Ja-Wort, bald darauf erblickte ein Sohn, das erste von vier Kindern, das Licht der Welt. Nur kurz nach der Geburt des zweiten Kindes ereilte das Paar ein Schicksalsschlag, denn das Baby, eine Tochter, starb wenig später.

Bereits als Jugendliche zog Agnes Caster vor der Ehe zwei Kinder ihres Onkels auf, nachdem deren Mutter im Kindbett verstorben war. Agnes Casters eigene Mutter hatte selber so viele Kinder, dass sie diese Aufgabe ihrer damals 16-jährigen Tochter auftrug. „Aus der Not geboren hat die Mutter so entschieden. Früher half man sich, und wenn man selber aufgrund vieler Arbeit nicht konnte, trat man ein Familienmitglied ohne Wenn und Aber zur Hilfeleistung ab“, erinnerte sich Agnes Caster. Heute zählen auch vier Enkel und drei Urenkel zur Familie.

An der Landstraße in Roggendorf lebte die Familie zunächst in einer Baracke, die sie nach und nach zum Wohnhaus mit Schuster-Werkstatt ausbaute. Mit harter Arbeit als selbständiger Schuhmacher ernährte Peter Caster seine fünfköpfige Familie. „Das war nicht immer leicht, es gab viele Höhen und Tiefen“, erinnert sich Sohn Franz-Josef Caster. In ganz harten Zeiten haben er und seine Gattin frühmorgens zusätzlich die „Kölnische Rundschau“ ausgetragen. Ernährt wurde die Familie mit dem, was der hauseigene Nutzgarten hergab.

Viel Freude bereitete dem Paar stets die Musik und das gemeinsame Musizieren und Singen mit Gleichgesinnten im Singkreis sowie im Senioren-Musikkreis in Kall. Bis ins hohe Alter spielte Peter Caster dort Geige und Mandoline und Agnes Caster Blockflöte. Ihre Liebe zur Musik haben sie auch an ihre Kinder weitergegeben, indem sie regelmäßig zuhause Hausmusik machten. Auch wenn ihnen das eigene Musizieren nicht mehr möglich ist, bestehen dennoch weiterhin freundschaftliche Kontakte zu den ehemaligen Mitspielern.

pp/Agentur ProfiPress