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Im Freudentaumel den Keim neuer Gefahr erkannt

Aktuelles beim Ordenstreffen der Communio in Christo im Mittelpunkt, nämlich der Westen, Russland und die Ukraine, neue Spaltung, Kriegsgefahr: Mutter Marie Therese erkannte schon Silvester 1989 die Möglichkeit einer neuen Welttragödie – Pater Atchade: „Sie war ein Vorbild wie der Heilige Josef“ – Zelebranten aus Afrika, Asien und Europa

Die Konzelebranten bim Ordenstreffen der Communio in Christo diese Woche kamen aus Europa, Afrika und Asien, in der Mitte Hauptzelebrant Pater Richard Atchade, ein Priester aus dem afrikanischen Benin. Ihm zur Seite standen bei der Eucharistiefeier Generalsuperior Karl-Heinz Haus (l.), der Obere der Communio in Christo, Pater Joachim Andreas Richter LC von den „Legionären Christi“ aus Bad Münstereifel sowie Pater Jean Elex Normil cs (l.) aus Haiti, Freund der Communio in Christo und verantwortlich für die Internationale Jugendseelsorge im Erzbistum Köln, sowie Father Jaison Thazhathil, im Konvent der Communio in Mechernich lebender indischer Priester, der zurzeit sein Promotionsstudium in Deutschland absolviert. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich – Spiritualität ist nichts Akademisches. Glaube hat auch viel mit Anpacken zu tun. Das Christentum verpflichtet seine Anhänger gerade zur tätigen Nächstenliebe: Pater Richard Atchade, ein Priester aus dem afrikanischen Benin, stellte jetzt beim Ordenstreffen der Communio in in Christo in Mechernich folgerichtig den Heiligen Josef und die nach ihm „Josephine“ getaufte spätere Mutter Marie Therese, die Gründerin der Communio in Christo, als Vorbilder der Christen in den Mittelpunkt seiner Einführung in die heilige Messe.

Beide hätten Christus nahegestanden, auf ihn vertraut und sozusagen ihre Arbeit getan, sagte der afrikanische Priester, der diesmal Hauptzelebrant des Treffens der Ordensmitglieder und der Communio nahestehender Gläubiger im Mechernicher Mutterhaus war.

Ihm zur Seite standen bei der Eucharistiefeier Generalsuperior Karl-Heinz Haus, der Obere der Communio in Christo, Pater Joachim Andreas Richter LC von den „Legionären Christi“ aus Bad Münstereifel sowie Pater Jean Elex Normil cs aus Haiti, Freund der Communio in Christo und verantwortlich für die Internationale Jugendseelsorge im Erzbistum Köln, sowie Father Jaison Thazhathil, im Konvent der Communio in Mechernich lebender indischer Priester, der zurzeit sein Promotionsstudium in Deutschland absolviert.

Im Refektorium des Mechernicher Mutterhauses der Communio in Christo fand nach der Heiligen Messe ein Treffen statt, bei dem eine Betrachtung Mutter Marie Thereses von Silvester 1989 im Mittelpunkt des Interesses stand. Und zwar wegen der Prophetie dieser Betrachtung in der Zeit des Jubels und Freudentaumels um den Fall der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhangs, der einst ganz Europa trennte. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Das Ordenstreffen anlässlich des Namens- und Geburtstages von Mutter Marie Therese war das erste von insgesamt vier großen Jahrestreffen 2014. Ordensangehörige und Freunde der Communio in Christo versammelten sich zunächst in der von der Bruchgasse aus auch für auswärtige Kirchenbesucher zugänglichen Hauskapelle zur Eucharistiefeier. 

Jubel, als die Mauer fiel und der Eiserne Vorhang zerriss

Anschließend fand im Refektorium des Mechernicher Mutterhauses noch ein Treffen statt, bei dem eine Betrachtung Mutter Marie Thereses von Silvester 1989 im Mittelpunkt des Interesses stand. Und zwar wegen der Prophetie dieser Betrachtung in der Zeit des Jubels und Freudentaumels um den Fall der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhangs, der einst  ganz Europa trennte.

In die Zeit des zu Ende gehenden Kalten Krieges und der Annäherung und Überwindung der Ost-West-Spaltung und den darauf herrschenden Freudentaumel und Jubel der Menschen hinein erkannte Mutter Marie Therese bereits in ihrer Betrachtung Silvester 1989 den Keim neuer Spaltung, Unruhen und Kriege, die justament in diesen Märztagen 2014 im Bruch zwischen Russland und dem Westen, den Unruhen in der Ukraine und der Annektion der Krim ungeahnte Aktualität finden.

Mutter Marie Therese schrieb am 31. Dezember 1989 unter anderem: „Wir haben aus Machthunger eine Religion gemacht, kehren uns einer Ideologie zu, die eine Welt aus ihrer Balance führt. Die Erde wankt noch nicht . . . . Wenn wir es noch glauben wollen, dass uns die Gnade Gottes erschienen ist.“

Mutter Marie Therese beklagt Silvester unter dem Eindruck der quasi öffentlichen Hinrichtung Nicolae und Elena Ceaușescus („Ihr Leben war das Schauspiel einer satanischen Wirklichkeit“) am ersten Weihnachtstag 1989 die Unbarmherzigkeit der Menschen und die Gnadenlosigkeit der Welt.

„Grenzenloses Gottvertrauen auch für Unbeugsame“

„Gott“, so betet sie, strecke auch dem Unbeugsamsten und Verstocktesten beide Hände entgegen und umarme ihn: „Gott der ewig Liebende, der Wartende, der nie aufgibt  . . .“ Mutter Marie Therese schreibt in ihrer Betrachtung: „Wir sind im Jahre 1989 anfällig für Gefühle, wir lassen in unserem Hunger nach Freiheit die Erde erbeben. Wir haben die Zündschnur eines Totalkrieges in der Hand und könnten eine Welttragödie“ auslösen.

Und zwar dann, wenn der Frieden fadenscheinig und ohne Gott gemacht und das Miteinander von Kalkül geprägt seien. Dann, wenn es denn nicht gelinge, einen auf Gott, Aussöhnung und barmherzige Liebe gebauten wahrhaftigen Frieden zu finden. Generalsuperior Karl-Heinz Haus wies beim Communio-Treffen am Josefstag 2014 auf die große Aktualität der Texte von Mutter Marie Therese hin, die oft im Vorgriff tatsächlich eintretende Ereignisse in Kirche und Welt 20 und 30 Jahre vorwegnähmen.

Er erkannte in seiner Hinführung zu Mutter Marie Thereses Betrachtung Parallelen zu den derzeitigen Vorgängen in Russland und der Ukraine, die Annektion der Krim und den neuen alten Bruch zwischen Russland und der westlichen Welt. Er analysierte Putins Befindlichkeiten und die vieler Russen, die den Bedeutungsschwund und die Nebenrolle der einstigen Weltmacht auf Augenhöhe mit den USA nicht verwunden hätten.

Haus zitierte aus der Silvesterbetrachtung Mutter Marie Thereses von 1989 und sagte: „Gott lässt uns auch heute in unseren Ängsten, Leiden und Problemen nicht allein, wie er uns versprochen hat: »Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt«. Das ist mir noch einmal dramatisch zum Bewusstsein gekommen, als ich diese Betrachtung las, die Mutter Marie Therese zum Jahreswechsel 1989/1990 geschrieben hat.“

„Wenn man genau in den Text hinein sieht“, so Generalsuperior Haus, dann erkenne man, wie Mutter Marie Therese „als Augenzeugin auf die eigentliche Ursache dieses Konfliktes und auf die geopolitischen Folgen dieses Konfliktes hinweist, der zu einer Welttragödie werden kann, wie wir sie in der Geschichte noch nicht erlebt haben angesichts eines Atomwaffenpotentials, das in der Lage wäre, mit Knopfdruck ganz Amerika zu zerstören.“

„Wir haben uns festgefahren und schließen unsere Augen vor dem Chaos“

Haus: „Wir alle haben mitgejubelt, als die Mauer fiel als Triumph des Westens über die Ideologie des Marxismus /Leninismus als Sieg der Freiheit über die Unfreiheit und Knechtschaft.“ Wie ganz anders der Blick der von Gott beauftragten Mutter Marie Therese, die am letzten Tag des Jahres 1989 schrieb: „Wir haben uns festgefahren und schließen unsere Augen vor dem Chaos, das uns unvermeidliche Konturen setzt. Aber die Gnade Gottes ist erschienen, in der uns persönlich Erbarmen geschenkt wird, ungeachtet unserer Schuldtiefe. Er ist neu erschienen, damit diese Zeit wieder den Sinn für das Leben findet.“

In der Heilige Messe, die anlässlich des Namenstages (19. März) und des Geburtstages (21. März) von Mutter Marie Therese gefeiert wurde, sagte Pater Richard Atchade: „Josef, der Bräutigam der Gottesmutter, mag in der Heiligen Schrift als eine Randfigur gelten, doch ist er bei näherem Hinschauen eine große und starke Persönlichkeit. Er ist kein Mann von großen Worten, sondern von starken Taten. Sein Gerechtigkeitsgefühl, seine Demut, seine Bereitschaft im Dienst der Menschen, sein Gehorsam Gott gegenüber sind bemerkenswert.“

An diesen heiligen Eigenschaften habe auch Mutter Marie Therese Anteil: „Die beiden haben eines gemeinsam: Ihre große Sensibilität den Heilsplänen Gottes gegenüber. Sie sind ein Vorbild für uns alle. Auch uns teilt Gott Aufgaben zu und es gilt, diese treu zu erfüllen.“

pp/Agentur ProfiPress