Aktuelles

Hoffnung auf Übernahmegespräch

Maschinenbau und Fertigungstechnologie GmbH (MFT) Vussem: Übernehmen die Mitarbeiter nun selbst das offenbar angeschlagene Expertenunternehmen? – Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick interveniert wegen Erhalt der Arbeits- und vor allem der Ausbildungsplätze

Der Gründer und langjährige Geschäftsführer Johannes Mießeler referiert bei einem Tag der offenen Tür bei MFT, rechts unter anderem vor dem Mechernicher Wirtschaftsförderer Peter Dierichsweiler und Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick. Foto: Paul Düster/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich – „Dunkle Wolken über MFT“ titelte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ bereits kurz nach Neujahr 2013 über die Vussemer Expertenfirma, die aus dem Traditionsunternehmen Dörries hervorgegangen ist. MFT steht für „Maschinenbau und Fertigungstechnologie GmbH“  und produziert für den weltweiten Export Maschinenteile von unvorstellbarer Größe und Präzision.

Unter anderem mit einer Länge von bis zu zwölf Metern und einem Kubus von sechs mal 6,5 Meter bei einer Krankapazität von bis zu 80 Tonnen. MFT garantiert bei Fertigung der Teile selbst in diesen Dimensionen eine Genauigkeit von bis zu fünf Tausendstel Millimeter. Das Unternehmen war aus dem Niedergang der Dörries-Scharmann AG heraus von Mitarbeitern um Johannes Mießeler selbst gegründet und lange Zeit erfolgreich fortgeführt worden.

Seit den ersten schlechten Nachrichten im Januar hat sich die Lage in den Vussemer Werkshallen von MFT offenbar nicht nachhaltig verbessert. In seiner heutigen Ausgabe schreibt der Redakteur Günter Hochgürtel im „Kölner Stadt-Anzeiger“, es bestehe sogar die Gefahr, dass bereits im Juni die Produktion ganz ausläuft.

Allerdings setzen der Gründer, frühere Geschäftsführer und noch immer als Berater agierende Gesellschafter Johannes Mießeler und der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Alois Kreins noch Hoffnung in ein Gespräch, das für Montag terminiert ist.

Der Mechernicher Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick und der städtische Wirtschaftsförderer Peter Dierichsweiler schließen sich diesem Hoffnungsschimmer an. Neben der Sorge um ein engagiertes technisches Traditionsunternehmen, das die große Zeit von Dörries am Industriestandort Vussem wachhält, treibt Hans-Peter Schick die Sorge um die Beschäftigten und vor allem um die noch in Ausbildung bei MFT befindlichen jungen Leute. Gerade in ihrem Interesse hat sich der Bürgermeister bereits vor einigen Tagen eingeschaltet.

Wie Günter Hochgürtel schreibt, hatte der geschäftsführende Gesellschafter beim Amtsgericht Bonn ein Schutzschirmverfahren beantragt: „In solchen Fällen sind die Aussichten, dass eine Sanierung gelingen kann, ziemlich hoch.“ Mitte April habe die Geschäftsleitung dann jedoch ein ordnungsgemäßes Insolvenzverfahren einleiten müssen.

An dessen Ende steht nicht zwangsläufig die Auflösung des Unternehmens. Bis April hatte Dr. Alois Kreins die Geschäfte von MFT noch alleinverantwortlich geführt, der jetzige Insolvenzverwalter Dr. Ralf Bornemann stand ihm lediglich beratend zur Seite.

Hochgürtel: „Gemeinsam versuchte man, eine eigene Gesellschaft mit frischem Geld auf die Beine zu stellen. Parallel wurde auch nach möglichen Investoren gesucht, die MFT übernehmen könnten. Und tatsächlich wäre das Wunder beinahe eingetreten.“ Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ zitiert Dr. Ralf Bornemann mit den Worten: „Ende April hatten wir einen Termin mit einem Investor, der in Vussem einsteigen wollte. Damit wäre MFT gerettet gewesen. Leider hat er zwei Stunden vor dem Notartermin abgesagt.“ Firmenleitung und Betriebsrat hätten vorbildlich mitgezogen bei den Verhandlungen.

Nun gibt es kommenden Montag einen weiteren Versuch, MFT und die Mitarbeiterarbeitsplätze zu retten. Dem Vernehmen nach handelt es sich um einen Kreis von Mitarbeitern um Dr. Alois Kreins, die Ralf Bornemann ein Angebot unterbreiten wollen. Peter Dierichsweiler: „Es gibt also noch Hoffnung, dass es weitergeht!“

Günter Hochgürtel schreibt, von den ursprünglich 61 Mitarbeitern seien momentan nur 25 in Beschäftigung, um Aufträge ordnungsgemäß abzuwickeln. Der Rest der Belegschaft warte darauf, „dass sich vielleicht doch noch ein Hoffnungsschimmer am Horizont zeigt“. Eine ganze Reihe von MFT-Experten würden wohl problemlos neue Jobs bei anderen Unternehmen und Zulieferfirmen finden, schreibt Günter Hochgürtel.

Es gibt vermutlich mehrere Gründe für die momentane Schieflage. So seien die Aufträge des einstigen Hauptkunden Dörries-Scharmann weggebrochen. Die Entwicklung neuer Produkte und ein erweitertes Portfolio hätten Zeit und Geld gekostet. In den zurückliegenden Monaten habe sich zudem ein einschneidender Generationswechsel innerhalb der Belegschaft vollzogen.

pp/Agentur ProfiPress