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Eine Kunstausstellung zum Schuljubiläum

Gymnasium Am Turmhof zeigt im Mechernicher Rathaus Arbeiten aus fünf Jahrzehnten Kunstunterricht

Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick eröffnete auf der zweiten Etage des Mechernicher Rathauses eine Jubiläumsausstellung, die Arbeiten aus 50 Jahren Kunstunterricht am Gymnasium Am Turmhof zeigt. Konzipiert wurde die Ausstellung von Kunstlehrerin Eva Deinhard (r.) und ihren Kollegen. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress
Mechernich – Die Angst des Dichters vor dem weißen Blatt ist hinlänglich bekannt. Dass aber auch Schüler im Kunstunterricht vor dem leeren Papier sitzen und von den ähnlichen Nöten geplagt werden, veranschaulichte Kunstlehrerin Eva Deinhard bei der  Ausstellungseröffnung „50 Jahre Gymnasium Mechernich – Kunst in Zwischenräumen“. „Da oben im Hirn sitzt das Wollen, die Vorstellung – und die Hand soll es dann richten“, beschrieb sie anschaulich die Schwierigkeit, die weiße Leere durch künstlerische Bearbeitung zu vertreiben.

In Zusammenarbeit mit ihren Kollegen hat Eva Deinhard die Ausstellung konzipiert, die nun auf der zweiten Etage im Mechernicher Rathaus im Beisein besonders künstlerisch begabter Gymnasiasten aus allen Jahrgangsstufen eröffnet wurde und die bis zum 30. Juni zu den Öffnungszeiten des Rathauses besucht werden kann.

Zu sehen sind nicht nur die Arbeiten der aktuellen Schüler, sondern dank des konsequenten Sammelns von Kunstlehrer Jürgen Schmitt die Bilder ganzer Generationen von Turmhof-Gymnasiasten. Da hat es sich auch der frühere Direktor des Gymnasiums, Wolfram Königsfeld, nicht nehmen lassen, zur Vernissage zu kommen. Schulleiter Josef van de Gey dagegen konnte zu seinem Bedauern nicht persönlich teilnehmen, übermittelte sein Grußwort aber via Videobotschaft. „Schauen Sie genau hin“, ermunterte er die Gäste der Ausstellungseröffnung vom Bildschirm aus, nachdem er dem Kunstunterricht nicht nur die Vermittlung ästhetischer Werte zugesprochen hatte, sondern auch seine besondere Wirkung gegen Oberflächlichkeit und Reizüberflutung.

Zur Vernissage waren auch die besten Kunstschüler der verschiedenen Jahrgangsstufen eingeladen. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Den Kopf auszuschalten und sich zu öffnen, sei im künstlerischen Prozess sehr wichtig, führte Eva Deinhard aus. „Trotz der Zerstreuungen des Smartphonezeitalters bin ich immer wieder erstaunt, wie gut das den Schülern gelingt“, sagte sie.

Nach dem musikalischen Einstieg durch eine Schülerin des GAT, die zwei von ihr selbst komponierte Lieder sang und dazu Gitarre spielte, richtete Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick das Wort an die Gäste. Die Ausstellung sei ein wichtiger Bestandteil des Jubiläumsreigens, sagte er. „Ich wünsche mir, dass die vielen Leute, die hier vorbeigehen, sich die Bilder ansehen“, wandte er sich an die jungen Künstler, deren Werke nun an den Flurwänden vor dem Ratssaal ausgestellt sind.

Weil er terminlich verhindert war, übermittelte Schulleiter Josef van de Gey sein Grußwort via Videobotschaft. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Zwischen den Arbeiten aus fünf Jahrzehnten wechselnder Lehrpläne und gesellschaftlicher Veränderungen befindet sich auch der „Schulthron“ des Gymnasiums Am Turmhof, ein Holzstuhl, der normalerweise vor den Kunsträumen zur Sitzpause einlädt. Dabei handelt es sich nicht um eine Schülerarbeit, sondern um ein Werk, das Kunstlehrer Jürgen Schmitt, ein ehemaliger Beuys-Schüler, 1970 während seines Studiums an der Düsseldorfer Kunstakademie schuf. „Exakt nach meinen Maßen“, wie er erzählt. Heute freue es ihn, dass der Stuhl in der Schule so rege gebraucht werde. Das blank polierte Holz zeugt davon.

Kunstlehrer Jürgen Schmitt sitzt inmitten der Mechernicher Gymnasiasten, deren Bilder ausgestellt sind, auf dem von ihm geschaffenen „Schulthron“ des Gymnasiums Am Turmhof. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Um den „Thron“ rankt sich eine Anekdote, die Eva Deinhard den Zuhörern nicht vorenthielt und die auch Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick schmunzeln ließ. Der Stadt Mechernich habe der Stuhl offenbar so gut gefallen, dass sie ihn als Schuleigentum betrachtete und mit einem Schulstempel versehen habe. Deinhard: „Vielleicht in dem Glauben, jeder Stuhl wäre zwangsläufig städtisches Eigentum.“ Jürgen Schmitt hat diesen Irrtum mit einer Künstlersignatur korrigiert.

pp/Agentur ProfiPress