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Eine Erfolgsstory ohne “Happy End”

Eine Erfolgsstory ohne “Happy End”
Der Bundeswehr-Major Florian Pfaff las in Breitenbenden aus seinem Buch “Totschlag im Amt – wie der Friede verraten wurde” vor – Der gebürtige Münchener hatte vor fünf Jahren für Aufsehen gesorgt, weil er einen Befehl zur Unterstützung des Angriffs auf den Irak verweigert hatte
Mechernich-Breitenbenden – Rund 40 interessierte Zuhörer kamen in der vergangenen Woche in den “Jägerhof” nach Breitenbenden, wo der Buchautor und Major der Bundeswehr Florian Pfaff auf Einladung des in Euskirchen stationierten Soldaten Christian Neumann aus seinem Buch “Totschlag im Amt – wie der Friede verraten wurde” vorlas.
Pfaff hatte im Jahr 2003 einen Befehl seines Arbeitgebers verweigert, weil dieser in seinen Augen der deutschen Unterstützung eines Angriffs auf den Irak diente und somit gegen Völkerrecht und Grundgesetz verstieß. Wie die Journalistin Gudrun Klinkhammer im Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, begründete Pfaff seine Befehlsverweigerung während seiner Lesung in Breitenbenden damit, dass es sich beim Irakkrieg um einen “geheimen, verlogenen, völkerrechtswidrigen Angriffskrieg” handele. Der studierte Pädagoge formulierte sogar öffentlich: “Der Krieg gegen den Irak ist nicht das erste Verbrechen, das die NATO unterstützt”.
Pfaff: “Nach meinen Aussagen und der Befehlsverweigerung musste ich mich in Koblenz in der Psychiatrie einer einwöchigen Untersuchung unterziehen. Mein Kopf wurde dreidimensional durchleuchtet. In der Unterhose vor dem Nervenarzt stehend wurden meine Reflexe geprüft.”
Da diese Untersuchungen jedoch ohne Befund blieben, sei die Bundeswehr den offiziellen Weg gegangen und habe den Major degradiert. Dagegen setzte Pfaff sich jedoch zur Wehr: Nach einem zweijährigen Rechtsstreit sei er durch das Bundesverwaltungsgericht rehabilitiert worden.
Erst kürzlich hat das Bayrische Verwaltungsgericht eine gegen ihn verhängte Beförderungssperre für rechtswidrig erklärt. “Eine schöne Erfolgsstory mit »Happy End« könnte man meinen”, sagte Pfaff zu den rund vierzig interessierten Zuhörern im “Jägerhof” von Breitenbenden. Doch auch über die Gerichtsurteile, so Pfaff, habe sich die Bundeswehr hinweg gesetzt. “Nichts von den Gerichtsurteilen wurde umgesetzt, die deutsche Rechtsprechung stattdessen mit Füßen getreten.”
Der Gang an die Öffentlichkeit schien für Pfaff der einzige Weg zu sein, Gerechtigkeit zu erzielen. Inzwischen sagt er: “Dort, wo ich in München derzeit diene, erfahre ich Rückhalt. Es gibt ja auch viele honorige Leute in der Bundeswehr. Ein Pauschalurteil zu fällen wäre verkehrt.”
Nach dem Vortrag folgte noch eine rund zweistündige Diskussion, an der nicht nur Major Florian Pfaff, sondern auch der Initiator der Veranstaltung Christian Neumann teilnahm. Der Bedarf, dieses Thema zu behandeln, ist da, meinte der Euskirchener Soldat. Neumann: “Das Thema muss besprochen werden. Deutsche Soldaten werden momentan Ziel von Anschlägen in Kriegsländern, auch die Vorgänge in Georgien liegen einem auf der Zunge.”
pp/Agentur ProfiPress

Manfred Lang

03.09.2008