Eifel-Lobby für die Jugend

Altes Ziel der Zukunftsinititaive Eifel: Junge Leute an die Region binden, damit sie gerne bleiben – Kiwanis-Club Nordeifel machte die Interessen junger Menschen in der Eifel vor 13 Jahren zu seinem Thema – Seither wurden 35 000 Euro allein bei der Kaller Herbstschau eingesammelt und wieder in die Jugend investiert – Jetzt gab es bei einer Pressekonferenz in der VR-Bank Nordeifel neuerlich je tausend Euro für meist kirchliche Jugendräume, Treffs und Offene Türen

Gut lachen hatten Jugendliche, Jugendlobbyisten und die Aktivisten des Kiwanis-Club Nordeifel bei der Übergabe von Spendengeldern an sechs kirchliche Jugendeinrichtungen der Eifel. Kiwanis-Präsident Bernd Altgen (hinten, Mitte): „Bei dieser Sache gibt es nur Gewinner!“ Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Schleiden/Eifel – Kiwanis-Clubpräsident Bernd Altgen hatte bereits bei der Eifelkonferenz 2011 in St. Vith in seiner Eigenschaft als Vorstandsvorsitzender eines großen Eifeler Genossenschaftsinstitutes, der VR-Bank Nordeifel, seinen Hut als Verfechter des Konzeptes „Familie und Beruf“ in den Ring geworfen.

Seine These deckte sich mit dem Tagungsthema und den Zielen der Zukunftsinitiative Eifel, die für gut eine Million Menschen im grenzüberschreitenden Eifelraum einsteht: „Es geht in den nächsten Jahren darum, dass wir die Eifel als Wohn-, Arbeits- und Lebensraum noch attraktiver für die Menschen machen, damit auch junge Leute, die hier zu Hause sind, in der Eifel zu Hause bleiben!“

In einer Pressekonferenz des Kiwanis-Clubs Nordeifel, bei der Spenden an sechs kirchliche Jugendeinrichtungen der Eifel übergeben wurden,  erklärte Bernd Altgen jetzt das Nachdenken und Handeln für die jungen Eifeler zum „gesellschaftlichen Anliegen der ganzen Region“, denn „die Jugend ist unsere Zukunft“.

Im Gegensatz zu den Großstädten und viel stärker als deren unmittelbare Umgebung seien ländliche Gegenden wie die Eifel stark von Abwanderungstendenzen junger Menschen betroffen. Im allerseitigen Interesse müsse die Eifel auch deshalb für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene attraktiv und lebenswert bleiben.

Die in der Zukunftsinitiative Eifel zusammengeschlossenen rheinland-pfälzischen und nordrhein-westfälischen Kreise und Kommunen, 52 an der Zahl, sowie die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens, die acht in der Zukunftsinitiative mitwirkenden Wirtschaftskammern, vor allem aber Bildungseinrichtungen und (Ausbildungs-)Betriebe in der Region müssten sich dieser Aufgabe bewusst werden.

Der Kiwanis-Club Nordeifel e.V., dem Altgen vorsitzt, engagiert sich seit 13 Jahren verstärkt für Jugendeinrichtungen. Allein 35 000 Euro aus seinen Erlösen bei den Kaller Herbstschauen hat der Club für die Unterstützung Jugendlicher in der Eifel eingesammelt und sinnvoll wieder eingesetzt. Und das, obwohl man „sich nicht mit Ruhm bekleckert, wenn man sich für Jugendeinrichtungen einsetzt“, wie der stellvertretende Eifeldekan und Schleidener Pfarrer Philipp Cuck eben vor diesen 13 Jahren bei einer heftigen Podiumsdiskussion zum Thema in den Räumen der VR-Bank Nordeifel in Schleiden thematisiert hatte.

Auf Kiwanis-Präsident Bernd Altgen, seinen Stellvertreter Johannes Mertens, Schatzmeister Hajo Heinen und ihre über 30 Mitstreiter vom Kiwanis-Club Nordeifel hat Cucks These damals allerdings nicht abschreckend, sondern ermutigend gewirkt. Die Kiwanis-Leute krempelten die Arme hoch.

Unter dem Motto „Global denken, lokal handeln“ setzen sich die Kiwanis-Aktivisten nicht nur beispielsweise für die weltweite Bekämpfung der Kindersterblichkeit durch Tetanus ein (Kiwanis international will dafür zurzeit weltweit 100 Millionen Euro einsammeln). Der Kiwanis-Club Nordeifel setzt sich auch für die Unterstützung junger Menschen vor Ort in der Eifel ein.

Im vergangenen Jahr war es das „Haus der kleinen Forscher“, naturwissenschaftlich ausgerichtete Kindergärten unter der Trägerschaften des Roten Kreuzes im Kreis Euskirchen, die gezielt gefördert wurden, in diesem Frühjahr bedachte der Kiwanis-Club Nordeifel jetzt sechs Jugendeinrichtungen im Südkreis. Dazu hatte man zur Pressekonferenz einmal mehr in die Räume der VR-Bank Nordeifel eingeladen, also dorthin, wo die Debatte um mehr Unterstützung und Lobby für Eifeler Jugendeinrichtungen im Jahre 2000 ihren Anfang genommen hatte.

Dass „Lobby“, also politische, gesellschaftliche und öffentliche Unterstützung neben ausreichend finanzieller Hilfe für die in der Nordeifel meist kirchlich betriebenen Jugendeinrichtungen von existentieller Bedeutung ist, daran hat sich seit 2013 nicht viel geändert.

In vielen Einrichtungen fehlt es am nötigsten für den laufenden Betrieb, das wurde bei der Pressekonferenz in der Eifeler VR-Bank deutlich. Die Personalkosten, sofern die Jugendeinrichtungen denn nicht ehrenamtlich betrieben werden, übernimmt zwar meistens das Kreisjugendamt. Aber für Bastel- und Spielmaterial, selbst für Toilettenpapier und Heizöl müssen die Jugendeinrichtungen „kötten“ gehen.

Umso dankbarer zeigten sich bei der Pressekonferenz die Empfänger für die Unterstützung des Kiwanis-Club Nordeifel e.V. Je tausend Euro nahmen die Pfarrer Hajo Hellwig (Jugendraum Kall) und Erik Schumacher (Kolosseum Gemünd) sowie ihre Mitarbeiter Ingrid Sanden-Hermes (Kolosseum), Anja Lehmann und Petra Jackels (Kleine Offene Tür, KOT, „Jo4you“ Mechernich), Wilhelm Schomaker (Hermann-Josef-Haus Urft), Peter Ülpenich und Heike Klinkhammer (Teiloffene Tür, TOT, Jugendraum Schleiden) und Helmut Woelk (KOT „Point, Hellenthal) entgegen.

Den Jugendtreff-Vertretern saßen bei der Pressekonferenz auf Kiwanis-Seite Präsident Bernd Altgen und sein Stellvertreter Johannes Mertens gegenüber, außerdem Sekretär Christoph Neugebauer,  Schatzmeister Hajo Heinen und die Beisitzer Jürgen Vossen und Dr. Erhard Effer.

Zwischen ihnen und den Jugend-Lobbyisten und, was ungewöhnlich genug ist, den Medienvertretern, entspann sich eine lebhafte Diskussion, was noch zu tun sei, um der meist unter kirchlicher Trägerschaft stehenden Jugendarbeit in der nördlichen Eifel weiter auf die Sprünge zu helfen.

Dass die Möglichkeiten mit Geld und Lobbyarbeit noch nicht ausgeschöpft sind, wurde bei der Pressekonferenz in der VR-Bank deutlich. Die Kiwanis-Vorstandsmitglieder, die ja jeder für sich auch beruflich und persönlich über zahlreiche Verbindungen verfügen, wollen überlegen, wie man darüber hinaus helfen kann. Sigrid Sanden-Hermes regte beispielsweise an, man könne mit den Jugendlichen lebensnahe Bewerbungsgespräche trainieren.

pp/Agentur ProfiPress