Eifel-Elvis rockte den Kiosk

Franz Nübel lebt heute in Hamburg und kehrte für eine Woche in seine Eifeler Heimat zurück – Einst Rekord-Sänger und Talentproben-Sieger

Mechernich – Auf dem T-Shirt ein Elvis-Porträt. Dazu der Schriftzug „Elvis Memphis“, der auch die schwarze Kappe ziert. Keine Frage: Der Mann, der dort im Kiosk an der Mechernicher Bahnstraße in Elvis-Position springt, Arme und Beine in wilder Aktion, ist Franz Nübel alias Eifel-Elvis. Laut Presseberichten war der jetzt für eine Woche aus Hamburg in seine Eifeler Heimat zurückgekehrt.

Er hat es noch drauf: Franz Nübel alias Eifel-Elvis rockte den Kiosk seiner Schwester an der Mechernicher Bahnstraße. Foto: Stefan Lieser/pp/Agentur ProfiPress

„Er hat es noch drauf“, schreibt Journalist Stefan Lieser über diese Kiosk-Szene, die umrahmt wird von alten Kassetten noch als Franz Nübel, der Elvis singt, und CDs unter seinem Künstlerpseudonym „Jack Favor“ aufgenommen. Alles ist auf einem kleinen Tisch in dem Kiosk drapiert, der laut Lieser, Nübels Schwester Karola dos Santos Ramos gehört. Uns so erklingt dort vor den Kühlschränken mit den Getränken und neben den Regalen mit Salzigem und Süßem „Well, one for the money, two für the show“.

Elvis-Dauersingen in Kaller Gaststätte

Doch wer ist dieser Franz Nübel („großes N und kleines Übel“)? Der  gelernte Bäcker hat seine Imitations- und Liedcoverkarriere als Jack Favor begonnen. Heute ist er einer von derzeit nach seiner Schätzung 2000 Elvis-Imitatoren hierzulande. 2004 hat der heute 54-Jährige in Kalls Traditionskneipe Gier den Weltrekord im Elvis-Dauersingen aufzustellen: 42 Stunden, 16 Minuten und 8 Sekunden. Die Zahlen kommen nicht von ungefähr, ist im gleich lautenden Bericht von Rundschau und Stadt-Anzeiger zu lesen: 42, weil der aus Tupelo/Mississippi stammende Rock’n’Roller so alt wurde. 16 und 8, weil er am 16. August 1977 in Memphis starb. 15 Jahre hielt Nübels registrierter Weltrekord. „Dann kam im vergangenen Jahr einer daher und schaffte 50 Stunden und ein paar Gequetschte“, so Nübel – und der Weltrekord von Eifel-Elvis war futsch.

Mit dieser Studioaufnahme fing alles an: „Franz Nuebel sings Elvis Presley“. Foto: Stefan Lieser/pp/Agentur ProfiPress

Einen Karriereschub gab es laut Presseberichten im Sommer 1993. Damals gewann Nübel im Kölner Tanzbrunnen die legendäre „Linus’ Talentprobe“. „Mit schwarzer Schmalztolle und im späten Elvis-Las-Vegas-Glitzeranzug, dazu das Timbre des Tenors, die Songs, die Tanzschritte, die rollende Hüfte – was sollte da schiefgehen?“, schreibt Journalist Lieser dazu: Vom Erfolg habe er danach 20 Jahre leben können, so Nübel. Anschließend sei er durch halb Europa mit bis zu 80 Auftritten jährlich.

Besuch bei „Eifel Waldi“

Seit 2006 lebt Nübel in Hamburg. Da tritt er in Kneipen, bei Geburtstagen oder Hochzeiten auf. Doch nur noch mit halber Kraft, 2011 wurde bei ihm eine unheilbare MS-Erkrankung diagnostiziert. „Das hat uns alle aus den Latschen gehauen“, wird Nübels Schwester Karola dos Santos Ramos in Rundschau und Stadt-Anzeiger zitiert.

Als Jack Favor hat Franz Nübel seine Imitations- und Liedcoverkarriere begonnen. Foto: Stefan Lieser/pp/Agentur ProfiPress

In ihrem Kiosk hatte Nübel jetzt eine Woche lang seine Anlaufstelle. Von hier aus haben die Geschwister kleine Ausflüge unternommen. Etwa nach Köln-Sürth, wo die Familie bis 1980 lebte und wo Franz Nübel, der ältere Bruder und die Schwester ihre Kindheit verbrachten. Außerdem standen Besuche bei seinem 82 Jahre alten Vater im Seniorenheim in Schleiden und bei „Eifel Waldi“ in Krekel an. Immer setzt Franz Nübel dann seine selbst entworfene „Elvis Memphis“-Basecap auf und macht ein Selfie.

Besuch bei „Eifel Waldi“

In Hamburg sei es seit dem Ausbruch der Krankheit eben nicht mehr so wie vorher, gibt Nübel gegenüber Rundschau und Stadt-Anzeiger zu. Die ganz große Elvis-Show, das Abrocken auf der Bühne, die Schweiß getränkten blauen Seidenschals für die Frauen in den ersten Reihen könne er nicht mehr liefern. Nach 30 Minuten sei jetzt Schluss, die Kräfte müssten eingeteilt werden. Also habe er sich ein zweites Standbein gesucht, um den Lebensunterhalt aufzubessern. Er hat sich auf Eventfotografie spezialisiert.

Seine Erinnerungen an die alten Zeiten und ein ganz besonderer Wunsch leben in ihm weiter. Im nächsten Jahr will er endlich Graceland, den legendären Alterssitz von Elvis Presley in Memphis besuchen. Gegenüber der Presse sagt Nübel: „Nicht mit einer Führung, sondern mit einer VIP-Karte. Eine Stunde allein im Museum mit Elvis.“

pp/Agentur ProfiPress