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Die Schavener Heide neu entdecken

Professor Aladár László Garda präsentiert in der Mechernicher „Galerie im Rathaus“ faszinierende Fotografien – Schavener Heide ist Inspiration für in Kommern lebenden Künstler mit ungarischen Wurzeln

Die Werke von Aladár László Garda sind noch bis Ende Juni in der Mechernicher „Galerie im Rathaus“ im Foyer der Stadtverwaltung zu sehen. Foto: Claudia Hoffmann/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich – „Wir sind gegangen, anders konnten wir nicht!“ So beschreibt der Künstler Aladár László Garda, der 1986 mit seiner Familie von Ungarn nach Mechernich übersiedelte, auf seiner Homepage den wohl markantesten Lebenseinschnitt in der eigenen Vita. Direkt danach folgen die beiden Worte „Verloren – Gewonnen“. Sie zeigen auf fast unscheinbare, aber vielleicht gerade deswegen umso eindringlichere Weise, wie sehr ein Verlust auch den Beginn von etwas Neuem bedeuten kann.

Seit fast drei Jahrzehnten steht nun die Schavener Heide in seiner Wahlheimat Mechernich im Mittelpunkt von Gardas Werken. „Für Mechernich ein großer Gewinn“, unterstrich Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick in seinem Grußwort anlässlich der Ausstellungseröffnung in der „Galerie im Rathaus“ die Bedeutung von Gardas Schaffen. Er durfte sich ebenso wie Kurator Franz Kruse an diesem Abend über rund 80 Vernissage-Besucher freuen.

Für Kurator Franz Kruse (Mitte) und Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick (rechts) sind die Werke von Professor Aladár László Garda ein großer Gewinn für die Mechernicher Kunstszene. Foto: Claudia Hoffmann/pp/Agentur ProfiPress

Laudatorin Jutta Wiedemann, Professorin für Bekleidungsgestaltung und Kollektionsentwicklung an der Hochschule Niederrhein, skizzierte wenig später die wichtigsten Stationen im Leben des ungarischen Künstlers, der immer schon sehr umtriebig war. Auf den Besuch eines musischen Gymnasiums in Siebenbürgen folgte das Studium der Tapisserie mit den beiden Schwerpunkten Fotodruck und Bildgrafik. Letztere soll den Künstler auch später noch begleiten, so sind auch Gardas aktuelle Fotografien geprägt davon, dass er Bildwirkungen gezielt analysiert und mit den Dynamiken spielt.

Laudatorin Jutta Wiedemann: „ Durch seine Lust an der Genauigkeit im Wahrnehmen nimmt er den Betrachter an die Hand und öffnet einen neuen Blick auf scheinbar Gewohntes“. Foto: Claudia Hoffmann/pp/Agentur ProfiPress

An der Hochschule Niederrhein im Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik war Aladár László Garda über 22 Jahre lang als Professor für Formenlehre, künstlerische Techniken und Textilentwurf aktiv. „Nicht zuletzt angeregt durch immer wieder neue Fragestellungen der Studierenden, führte Garda eine ständige Auseinandersetzung mit dem Material, der Formensprache und deren strukturellem Zusammenspiel“, erläuterte Wiedemann.

Gardas Umgang mit dekorativen Formen zeigt sich in der Mechernicher Ausstellung beispielsweise bei den Exponaten, die sich Baumrinde zum Thema setzen. Je detaillierter die Betrachtung, umso mehr geht die Gegenständlichkeit verloren, und umso abstrakter wird das Erscheinungsbild. Durch das Kontrastieren von positiver und negativer Darstellung oder durch Wiederholung entstehen neue Formen. Technisch realisiert wurden die Werke mit dem Bildbearbeitungsprogramm „PhotoPaint“. Das Einfügen von Farbmasken, die Veränderung von Tonwerten und die Füllung mit Strukturen oder Farbe führten zur Verfremdung.

Mehr als 80 Besucher waren auch diesmal wieder zur Ausstellungseröffnung in die Mechernicher „Galerie im Rathaus“ im Foyer der Stadtverwaltung gekommen. Foto: Claudia Hoffmann/pp/Agentur ProfiPress

Von großer Faszination sind beispielsweise die Werke, die im Eis der Schavener Heide eingefrorene Pflanzen und Insekten abbilden. Sie offenbaren, mit welcher Spiellust und Freude sich Garda seinen Bildmotiven nähert. Um sodann die Pole zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, zwischen Ausdruck und Dekorativität  immer wieder auszureizen. „Garda’s Hauptanliegen ist die Suche nach der Einzigartigkeit der Formen sowie der der Rückzug zur einfachen Form“, schloss Wiedemann. In der eigenen Wahrnehmung, so die Laudatorin, rücke Gewohntes schnell in den Hintergrund. Durch seine Lust an der Genauigkeit im Wahrnehmen und der damit verbundenen Auseinandersetzung nehme Aladár László Garda den Betrachter an die Hand und öffne ihm einen neuen Blick auf scheinbar Gewohntes. Jutta Wiedemann: „Für manchen von uns mag es daher eine Anregung sein, die Schavener Heide neu zu entdecken.“

Die Werke von Aladár László Garda sind noch bis Ende Juni in der Mechernicher „Galerie im Rathaus“ im Foyer der Stadtverwaltung zu sehen.

pp/Agentur ProfiPress