Die „Marke Heimbach“ entwickeln

Wohlfühlgefühl für Einheimische und Touristen in der Stadt „mit den vielen Gesichtern“ steht im Vordergrund – Aktive Bürgerbeteiligung als Voraussetzung für das Gelingen des Masterplanes

 

Das operative Kernteam für die Umsetzung des Masterplanes „Stadtkern Heimbach“: (v.l.) Manfred Ernst, Peter Cremer, Anton Neuberger, Astrid Urgatz und der Allgemeine Vertreter des Bürgermeisters, Peter Boje. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Heimbach – „Wir sind Heimbach“ – unter diesen Slogan stellt die frisch gestartete Zukunftsinitiative Heimbach die Umsetzung des Masterplanes „Stadtkern Heimbach“. Von diesem Wir-Gefühl anstecken ließen sich rund 80 Besucher, die zum Informationsabend ins Haus des Gastes gekommen waren, darunter auch viele Ratsvertreter und Prof. Dr. Frank Günter Zehnder, Leiter der Internationalen Kunstakademie. Dort präsentierte ihnen das auf einstimmigen Beschluss des Stadtrates gebildete operative Kernteam die Ergebnisse der vorausgegangenen zweijährigen  Arbeit am zukunftsweisenden Masterplan.

Trendwende für Heimbach im Visier

„Uns ist wichtig, dass unsere Stadt weiterentwickelt wird. Das Wohlgefühlgefühl soll wieder geweckt werden“, sagte der Allgemeine Vertreter des Bürgermeisters, Peter Boje, bei der Begrüßung. Dass es viel zu tun gibt, machten anschließend die Mitglieder des operativen Kernteams deutlich: der Fachbereichsleiter Bauen und Planen der Stadt Heimbach, Peter Cremer, die Aachener Stadtplanerin Dipl.-Ing. Astrid Urgatz sowie Manfred Ernst und Anton Neuberger von der Standort- und Projektentwicklungs-Gesellschaft Ernst & Neuberger Consult GbR aus Kall sparten nicht mit Beispielen, wie die Trendwende in Heimbach gelingen kann.

Zu den vordringlichen Problemen zählen die Immobilien-Leerstände und die Überalterung der Heimbacher Bevölkerung. In beiden Bereichen sprechen die Zahlen für sich: Aktuell sind rund 25 Prozent der Heimbacher Bevölkerung älter als 65 Jahre. „Exorbitant hoch“, so Astrid Urgatz, sei dieser Anteil. 2009 verzeichnete man Leerstände in 23 Gebäuden, das waren elf Prozent der Immobilien im Stadtkern. In nur drei Jahren stieg diese Zahl auf 39 Gebäude im Jahr 2012 und damit bereits 19 Prozent.

“Pfunde, mit denen Heimbach wuchern kann”

Dem gegenüber stehen die „Pfunde, mit denen Heimbach wuchern könne“, wie die Planer betonten. Das ist zum einen der malerische Ortskern. Der jedoch soll nach den Vorstellungen von Astrid Urgatz und den das Projekt begleitenden Architekturstudenten der Fachhochschule Aachen einige städtebauliche Veränderungen erfahren. „Aber“, so Urgatz, „kein Abriss ohne gleichwertigen Ersatz. Es dürfen keine Lücken entstehen, Ensemble müssen bewahrt werden.“ Zusätzliche Parkplätze im Osten der Stadt, mehr Haltestellen und die Umgestaltung der Hengebachstraße sind weitere von ihr angedachte Vorhaben. Heimbachs „zweites großes Kapital“ seien die Grünanlagen. „Die grüne Stadt am Fluss“ sei daher auch ein Thema der Zukunftswerkstatt überschrieben gewesen. Großes Potential etwa bergen die vorhandenen Kleingärten Über Rur, die zu reaktivierenden Schrebergärten am Eichelberg und der zu modernisierende Kurpark.

Inspiriert durch die „vielen Gesichter Heimbachs“ – Wasserstadt, Kunststadt, Nationalparktor-Stadt, Luftkurort, Wallfahrtsort – waren Themen-Routen ein weiteres von den Studenten vorgeschlagenes Projekt. „Der Tourismus boomt. Aus diesem Trend gilt es etwas zu machen“, ermunterte Astrid Urgatz. Die Zeit dränge, sagte sie im Hinblick auf die Eröffnung des Feriendorfes  „Resort Eifeler Tor” im September.

Heimbach noch interessanter machen

„Wir sehen die Massen kommen“, bestätigte Projektentwickler Anton Neuberger. Gleichwohl betonte er, dass man Heimbach nicht zum „künstlichen Touristendorf“ umgestalten werde. „Will man aber, dass die Feriendorf-Gäste herunterkommen, muss man Heimbach interessant machen.“

Wenngleich die touristische Weiterentwicklung Heimbachs derzeit Priorität genieße, so sollen in den nächsten fünf bis zehn Jahren weitere Vorhaben umgesetzt werden. Alle mit dem Ziel, die die Lebensqualität aller Generationen verbessern. Älteren Menschen die Möglichkeit erhalten, am Ort zu bleiben, aber auch die Landflucht junger Menschen verhindern und die Stadt für Neubürger attraktiv machen seien Ziele des Masterplanes.

Für Heimbachs Entwicklung  zum „selbstbewussten Ort“ und  für die Wahrnehmung der  „Marke Heimbach“ zählt die Zukunftsinitiative Heimbach auf die aktive Beteiligung der Bürger. Kontaktmöglichkeiten bestehen derzeit über die offizielle Homepage www.masterplan-stadtkern-heimbach.de, der in Kürze eine neue Homepage der Zukunftsinitiative folgen soll. „Wir werden aber auch aktiv auf sie zukommen“, versprach Manfred Ernst den Bürgern, die sich am liebsten schon gleich beim Informationsabend zu Workshops angemeldet hätten.

Skeptiker am Gelingen des Masterplanes äußerten sich ebenfalls. Doch am Ende waren es überzeugte Heimbacher, denen die Versammlung im Haus des Gastes spontan applaudierte. „Es gibt doch viele unter uns, die sich bewusst dafür entschieden haben, hier zu  leben. Wir sind doch mittendrin in diesem Supergebiet und müssen nur die Chance wahrnehmen“, lautete das flammende Plädoyer eines Heimbachers für seine Stadt.

pp/Agentur ProfiPress