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Der beste Stukkateur Deutschlands kommt aus Marmagen

Der beste Stukkateur Deutschlands kommt aus Marmagen
Ministerpräsident Jürgen Rüttgers zeichnete den 19-jährigen Matthias Poth am Sonntag in Düsseldorf aus. Jetzt bereitet sich der junge Mann auf die Weltmeisterschaft der Handwerker in Shizuoka/Japan vor.
Marmagen – Der Begriff “Poth/Marmagen” ist in der Eifel ein Begriff. Mittlerweile steht der Name des familiären Handwerksbetriebes im ganzen Rheinland als Synonym für Qualität im Stukkateur-Handwerk. Seit sich der heute 81jährige Hubert Poth 1950 selbständig machte, wird die Firma bereits in dritter Generation betrieben. Und Enkel Matthias Poth (19) ist gerade im Begriff, den Begriff “Poth/Marmagen” noch viel bekannter zu machen, als er ohnehin schon ist.
Denn der 19-Jährige aus Marmagen hat gerade beim Bundesleistungswettbewerb der Handwerksjugend in Feuchtwangen die Konkurrenz der Stukkateure mit Abstand hinter sich gelassen. Zuvor hatte er sich als Kammer- und NRW-Landessieger bereits die Meriten verdient. Jetzt darf Matthias Poth in zwei Jahren zur Weltmeisterschaft der Stukkateure ins japanische Shizuoka reisen.
Zuvor stand am ersten Adventssamstag die “Ehrung der Besten” im Congress Center Düsseldorf an. Die Sache stand unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler – und auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ließ es sich nicht nehmen, den erfolgereichen Junghandwerkern, ihren Lehrmeistern und Eltern zu gratulieren.
Der beste Junghandwerker unter den Stukkateuren der Republik wollte eigentlich Instrumentenbauer werden. Der begabte Saxophonist und Schlagzeuger (unter anderem bei der Band “Savage”) hätte auch Lehrstellen bekommen, aber nur in Bayern und in den neuen Bundesländern. Die räumlich nächste gab es in Frankfurt, aber auch das war dem damals 16-Jährigen zu weit weg von zu Haus. Deshalb entschloss er sich, bei seinem Vater Hubert “Berti” Poth in die Lehre zu gehen. Wie der schon bei seinem Vater Hubert (heute 81) das Stukkateur-Handwerk erlernt hatte.
“Eigentlich lässt man seine Söhne ja in einem anderen Betrieb ausbilden”, sagte Hubert Poth dieser Zeitung: “Aber da kein anderer Betrieb sich so sehr wie wir auf Sanierungen und Altbau-Restaurationen in Zusammenarbeit mit den Ämtern für Denkmalpflege spezialisiert hat, konnte Matthias praktisch auch nur bei uns lernen.” Was kein Zuckerschlecken war, wie Matthias freimütig bekennt: In dem zwölf Mitarbeiter zählenden Betrieb war er derjenige, der vom Vater am kritischsten beäugt wurde – und der als letzter Feierabend machte.
Doch die Strapazen haben sich gelohnt, wie Matthias heute weiß. Zumal er bei seinem Vater, dem Obermeister der Stukkateur-Innung im Kreis Euskirchen, den nötigen beruflichen Ehrgeiz mitbekam. Denn Können allein zähle nicht, so Berti Poth. Wer in Wettbewerben erfolgreich sein wolle, für den gelte der Grundsatz “Übung macht den Meister”. Den Grundstein für seinen Bundessieg legte Matthias Poth so schon während seiner Lehrzeit. Nach der Arbeit fuhr der 19-Jährige oft noch eine “Sonderschicht”, um in der Firmenhalle im Zingsheimer Gewerbegebiet das eine oder andere auszuprobieren.
“Ohne Fleiß kein Preis”, so eine weitere Lebensweisheit, die sich bereits im Juli als zutreffend erwies, als Matthias Poth die Gesellenprüfung als Innungsbester ablegte. Auch beim Kammerwettbewerb hatte der 19-Jährige die Nase vorn. Sein Werkstück, ein gotisches Fenstermaßwerk, wie man es aus dem Kölner Dom kennt, überzeugte auch die Jury bei der Landesmeisterschaft in Köln.
Auf die Ehrung der NRW-Landessieger der Junghandwerker in Bielefeld, bei der auch der Mechernicher Steinmetz Frank Förster (Steinmetzbetrieb Simons) in seiner Sparte auf dem Siegertreppchen stand, folgte für Matthias Poth der Bundeswettbewerb in der Bayerischen Bauakademie in Feuchtwangen. Die Prüfungsaufgabe dort hatte es in sich, war erstmals nicht handwerklich-traditionell, sondern mit hohem kunsthandwerklichen Anspruch gestellt worden. Es galt, ein “Lichtwerk” zu bauen – von dem Vater Berti sagt, dass es “quasi ein Meisterstück” sei.
Zwei Tage lang hatten die Besten auf Landesebene Zeit, eine Art Stehlampe mit vorgegebenen Maßen aus Stuck herzustellen. In einen runden Sockel aus Gips mit integrierter Halogenlampe mussten die Wettbewerbsteilnehmer vier Metallstäbe einsetzen, auf denen eine Schale aus Gips ruhen sollte. In die Schale wiederum waren gezogene, an den Ende abgeschrägte Gipsstäbe in unterschiedlichen Längen und Formen einzuarbeiten.
Am meisten gefiebert während der zweitägigen Prüfung hat zu Hause in Marmagen der 81-jährige Opa Hubert, der vor einigen Jahren den Goldenen Meisterbrief bekommen hat. Er setzte sich jetzt stolz mit Sohn Berti und Enkel Matthias zum Erinnerungsfoto an das “Lichtwerk” des besten Jung-Stukkateurs der Bundesrepublik, das für diese Zeitung aufgenommen wurde.
Verbunden mit dem Bundessieg ist ein Stipendium, das der 19-Jährige so schnell wie möglich für die Absolvierung der Meisterschule im sauerländischen Esslohe in Anspruch nehmen will. Vielleicht sei er damit schon durch, wenn er 2007 nach Japan fliege, hofft der 19-Jährige. Im Land der aufgehenden Sonne findet in zwei Jahren die Weltmeisterschaft der Handwerksjugend statt, und dort will Matthias Poth die deutschen Farben würdig vertreten.
Schwerpunkt des Meisterbetriebs Hubert Poth sind heute Denkmalpflege und Altbausanierung. Der Einsatzraum des zwölf Mitarbeiter zählenden Betriebs, der ständig je einen Auszubildenden hat, liegt zwischen den Städten Köln, Aachen und Bonn. Vor allem Gründerzeitfassaden und alte Villen werden restauriert. Bis heute haben noch alle Lehrlinge die Gesellenprüfung bestanden. Einige wurden Kammersieger, einer Vize-Landesmeister von Nordrhein-Westfalen. Soweit wie der für die Weltmeisterschaft qualifizierte Bundesmeister Matthias Poth ist allerdings noch keiner gekommen.
(pp, Agentur ProfiPress)

Manfred Lang

27.12.2005