Das Ewige Licht brennt wieder

Das Ewige Licht brennt wieder
Bergheimer St.-Barbara-Kapelle am Barbaratag wieder in den dauerhaften liturgischen Gebrauch genommen – Pontifikalamt mit Weihbischof Dr. Johannes Bündgens – Der bestärkt die Kapellengemeinde darin, als “christliche Familie” zu leben – Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick spricht von einer “Volksbewegung” um Helmut Vogelsberg und eine Schar weiterer rüstiger Bergheimer “Aktiv-Rentner”

Mechernich-Bergheim – Mit einem feierlichen Pontifikalamt unter der Leitung des Aachener Weihbischofs Dr. Johannes Bündgens wurde am Sonntag, dem Festtag der Heiligen Barbara, die Bergheimer St.-Barbara-Kapelle nach langjährigen Renovierungsarbeiten wieder in den festen liturgischen Gebrauch genommen.
Der Aachener Weihbischof vollzog unter Konzelebration von Pfarrer Kurt Hoberg und unter der Assistenz des Kallmuther Diakons Michael Ruland die Weihe des Wassers, die Tauferneuerung und Segnung der Gläubigen. Nach der Eucharistiefeier wurde das Allerheiligste im Tabernakel wieder dauerhaft eingesetzt. Zum Zeichen der Präsenz Christi selbst in der eucharistischen Gestalt unter den Bergheimer Gläubigen entzündeten Bischof Bündgens und Pfarrer Hoberg das Ewige Licht neu.
Sowohl Bischof Bündgens als auch Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick gemahnten in Predigt und Ansprache an die hohe Bedeutung der christlichen Gemeinschaft im ehemaligen Bergarbeiter- und Bauerndorf, das seit der kommunalen Neugliederung 1969 zur Gemeinde und späteren Stadt Mechernich gehört.
“Aktiv-Rentner” haben weiter
alle Hände voll zu tun
Aus dieser Zusammengehörigkeit im christlichen Glauben sei auch letztendlich das hohe Engagement jener Gruppe von “Aktiv-Rentnern” zu erklären, die das kleine Gotteshaus und die frühere Bergheimer Volksschule, die sich unter einem Dach befinden, seit zwei Jahren renoviert haben und weiter renovieren werden. Denn das Gesamtprojekt Alte Schule ist mit der Wiedereinsetzung des Allerheiligsten in der St.-Barbara-Kapelle keineswegs abgeschlossen.
Denn das Gebäude soll mit Unterstützung von Stadt Mechernich und NRW-Stiftung weiter zu einem multifunktionalen Gebäude umgewandelt werden, zu dem die nun als erstes fertiggestellte Kapelle, eine Wohnung, Dorfgemeinschafts- und Jugendraum, sanitäre Einrichtungen, der schön und zum Verweilen für Wanderer gestaltete Schulhof nebst Ehrenmal gehören sowie ein Bergbau-Informationszentrum, in dem über Soziologie und Ökologie des Mechernicher Bleibergbaus informiert werden soll.
Diese multimediale Ergänzung zum Bergbaumuseum Mechernich und den insgesamt 11,7 Kilometer langen bergbaukundlichen Wanderpfaden wird von der NRW-Stiftung gefördert, die beim Pontifikalamt und bei der anschließenden weltlichen Feier im Dorfgemeinschaftshaus “Alte Seilbahn” von dem in Mechernich-Antweiler geborenen und lebenden Geobotaniker Professor Dr. Wolfgang Schumacher und seiner Familie vertreten wurde.
“Barbara blickt dem Betrachter
geradewegs in die Augen”
Begleitet wurden Vorfeiern, Gottesdienst, Gefallenenehrung und Prozession zur weltlichen Feier vom Musikverein Kallmuth, dem Kirchenchor und den Jagdhornbläsern “Falkenlust” aus Brühl. Das kleine Gotteshaus platzte aus allen Nähten – und draußen vor dem geöffneten Doppeltor feierten nochmal so viele Gläubige mit Weihbischof Johannes Bündgens wie drinnen in den Bänken.
In seiner Predigt ging Weihbischof Bündgens auf die Bedeutung der Heiligen Barbara ein – ausgehend von Raffaels 1512 für Papst Julius II. gemalter Sixtinischer Madonna. Auf dem Gemälde trete Maria gleichsam mit Jesus auf dem Arm aus der himmlischen in unsere irdische Welt.
Wobei der kleine Jesus scheu und ängstlich auf das in der abgelegenen Klosterkirche San Sisto hängende Kruzifix blickt, in der Raffales Gemälde Jahrhunderte lang versteckt war. Und Jesus drücke beim Anblick der ihm bevorstehenden Marter, so die Gemäldeinterpretation des Predigers, “seinen Kopf Schutz suchend an den Hals der Mutter”.
Ebenfalls auf dem Gemälde abgebildet seien Papst Sixtus und die Heilige Barbara. Während Sixtus Christus auf den Betrachter des Bildes hinweise, blicke Barbara dem Betrachter, also dem Dir und mir der irdischen Welt, aus ihrer himmlischen Perspektive heraus geradewegs ins Gesicht und in die Augen.
Weihbischof Bündgens bestätigte die Gläubigen in ihrem traditionellen Verständnis der Heiligen Barbara, die als Patronin der Bergleute, aber auch als Beschützerin anderer Angehöriger gefährlicher Berufe seit jeher zu den 14 Nothelfern gezählt werde. “Sie weist auf Gefahren hin, lehrt uns zugleich aber, die enge Verbindung innerhalb der Familien zu pflegen”, sagte der Weihbischof. Und: “Ihre Kapellengemeinde scheint mir eine große christliche Familie zu sein. Bewahren Sie diese Gemeinschaft.”
Auch Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick, der sich später beim weltlichen Fest in der “Alten Seilbahn” angeregt mit dem Weihbischof austauschte, lobte die Dorfgemeinschaft: “Die Bereitschaft zur Hilfe bei der Restaurierung und dem Umbau der Kapelle glich zeitweise einer Volksbewegung.” Darüber hinaus dankte Schick Professor Schumacher für die Unterstützung der NRW-Stiftung.
Auch die evangelische
Gemeinde nimmt Anteil
Und auch der evangelische Pfarrer Michael Stöhr fand lobende Worte an die Adresse des am Barbaratag 2006 gegründeten Fördervereins der Kapelle sowie an die Kapellengemeinde: “Hier kann man sich wohlfühlen. Sehen Sie dieses Haus mehr denn je als Ihre geistliche Heimat an.” Pfarrer Stöhr bedankte sich gleichzeitig für die ökumenische Zusammenarbeit mit seinem katholischen Mitbruder Pfarrer Hoberg.
Für Helmut Vogelsberg, den Chef der von Bürgermeister Schick gelobten ehrenamtlichen “Aktiv-Rentner”- Bauarbeiter-Truppe hatte Pfarrer Stöhr eine Urkunde mitgebracht. Mit Helmut Vogelsberg gehörten zum harten Kern der Kapellenrenovierer Bernd Moorkamp, Josef Tillmann, Karl-Heinz Schäfer, Anton Zimmer, Matthias Moorkamp, Heiko Preußer-Louis und Toni Hambloch.
pp/Agentur ProfiPress

Manfred Lang

06.12.2011