Dank „Einstein“ und „Lena“ aus der Isolation

„Einstein“ und „Lena“ sind Rotkreuz-Helfer auf vier Pfoten – Die Mensch-Hund-Teams besuchen Kindergärten, Altenheime und Einrichtungen für Behinderte 

Viele der demenzkranken Bewohner im Resi-Stemmler-Haus hatten früher selbst Tiere. Dank „Einstein“ und Ilona Fenner (r.) werden verschüttete Erinnerungen wieder wach. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Kreis Euskirchen – „Komm, wir gehen arbeiten.“ Wenn die Euskirchenerin Ilona Fenner mit diesen Worten zur Leine greift, weiß „Einstein“, was Sache ist: Dann geht es ins Resi-Stemmler-Haus, einer Pflegeeinrichtung der Stiftung Marienhospital für demenzkranke Senioren. Dort haben der Hund und sein Frauchen regelmäßig Besuchsdienst. „Einstein“ ist ein Profi auf vier Pfoten: Seelenruhig geht er von Bewohner zu Bewohner, holt sich Streicheleinheiten und Leckerchen ab. „Einstein ist ein ruhiger Typ“, beschreibt Ilona Fenner den Vertreter der Rasse Elo. Dank der Gelassenheit seiner elf Lebensjahre sei er der ideale Vierbeiner für diese Aufgabe und das Altenheim für ihn der richtige Einsatzort.

Seit Oktober 2010 werden durch das Rote Kreuz im Kreis Euskirchen unter der Leitung von Franz Küpper die ehrenamtlich tätigen, sechsbeinigen Besuchsteams ausgebildet. Gefördert wurde die Initiative in der Aufbauphase von der „Aktion Mensch“. Ob Kinder, Senioren oder Menschen mit Behinderungen: Tiere tun allen gut.

Allein der Anblick und das Streicheln des Hundes entlocke den demenzkranken Bewohnern des Resi-Stemmler-Hauses Reaktionen, die auszulösen dem Pflegepersonal verwehrt bleibt. „Wir hatten eine Bewohnerin, die sehr in sich zurückgezogen war“, berichtet Martina Schneider, verantwortlich für die soziale Betreuung der Bewohner. „Von Woche zu Woche konnten wir beobachten, wie sich die Dame durch den Kontakt zum Tier wieder öffnete und aus ihrer Isolation kam.“ Kein Wunder, dass der Vierbeiner mit dem großen Namen auch beim Personal der Pflegeeinrichtung ein gern gesehener Gast ist.

Auch bei der für Demenzkranke typischen inneren Unruhe zeige der Hund oft seine wohltuende Wirkung, stellt Schwester Ursula, die im Resi Stemmler-Haus den Pflegedienst leitet, fest. „Mit Einstein an ihrer Seite können die Bewohner innehalten.“ Dass ein Tier in mancher Hinsicht mehr bewirken kann als menschliche Zuwendung, habe mit Gefühlen zu tun, ist sich Schwester Ursula sicher: „Das Herz wird nicht dement, das Gefühlsempfinden bleibt auch bei Demenz erhalten.“

Ähnliche Erfahrungen macht Norbert Janster aus Mechernich mit seiner „Lena“. In den Nordeifelwerkstätten in Ülpenich sind Norbert Janster und Lena im Wochenrhythmus in einer von Linda Blesse geleiteten Fördergruppe für mehrfach behinderte Menschen zu Gast. „Lena erreicht unsere Gruppenmitglieder auf einer Ebene ohne Worte“, so Linda Blesse. „Sie schenkt auf eine gewisse Art und Weise unvoreingenommen Zuwendung und kann ihnen so aus einer inneren Isolation helfen.“ Natürlich sei der Besuchshund nicht zuletzt auch eine willkommene Ablenkung vom Arbeitsalltag. „Dieser Dienst ist für mich als Hundebesitzer eine ideale Möglichkeit, mich mit meinem Hund ehrenamtlich zu engagieren“, so Norbert Janster. „Gemeinsam erleben wir ganz direkt die Freude und Begeisterung der Menschen – eine Erfahrung, die mich immer wieder aufs Neue bewegt!“

Norbert Janster hat eigens ein paar Kunststückchen mit seiner Schäferhund-Appenzeller-Mischlingshündin einstudiert.  Doch schon die bloße Anwesenheit von Lena, so Linda Blesse, könne positive Auswirkungen haben. Das Kraulen des Fells lenke von Sorgen ab, tröste und schaffe Behaglichkeit.  „So kann meine Lena wie ein ruhender Pol wirken“, weiß Rotkreuz-Ehrenamtler Norbert Janster aus Erfahrung. „Wenn die Sprache bei alten, kranken oder behinderten Menschen beeinträchtigt oder jemand durch eine dementielle Erkrankung verwirrt ist, ziehen sich die Betroffenen oft in sich selbst zurück. Hunde erreichen diese Menschen trotzdem!“

Auch Kindergärten und Altenheime stehen auf der Besuchsliste von „Norbert & Lena“. „Den Kindern gilt es in erster Linie zu vermitteln, wie so ein Hund tickt und wie er gewisse Dinge wahrnimmt“, so Janster. Lena sei für solche Einsätze durch ihr ausgezeichnetes Sozialverhalten und ihr liebevolles Wesen prädestiniert.

Das Rote Kreuz bietet den Besuchsdienst mit Hunden im ganzen Kreisgebiet und darüber hinaus an. Interessenten können sich unter info@ rhs-kall.de, über www.rhs-kall.de oder 0 22 51/79 11 0 melden. Gesucht werden außerdem Hundehalter, die sich für eine ehrenamtliche Mitarbeit beim Besuchshundedienst des Roten Kreuzes interessieren.

Die Aufnahme von Hund und Herrchen in den Besuchshundedienst sei prinzipiell kein Problem, so Franz Küpper vom Roten Kreuz. Allerdings müsse der betreffende Vierbeiner vorher einige Eignungstests mitmachen und Grundgehorsam und sein umgängliches Verhalten gegenüber fremden Personen unter Beweis stellen. Auch seine Nervenstärke bei der Konfrontation mit Reizen oder bedrohlichen Situationen sowie der Gesundheitszustand des Vierbeiners werden geprüft.

pp/Agentur ProfiPress