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Bergmeister-Witwe wurde lebendig

Bergmeister-Witwe wurde lebendig
RESCHEID. Es ist schon eine Krux mit dem Kux. Die Wurzeln der Geschichte, die am Samstagabend im Rahmen der 13. Kuxgewerken-Versammlung im Saal der Gaststätte “Zum Bergmannstreff” stattfand, liegen eigentlich im Mittelalter. Und um diese spezielle Geschichte wieder in Erinnerung zu rufen, dachte sich das Team um Karl Reger, den Vorsitzenden des Heimatvereins, Folgendes aus: Der aktuelle Bergmeister Professor Dr. Werner Kasig, der “spiritus rectus” des Besucherbergwerks, betrat die Bühne, legte den jährlichen Rechenschaftsbericht ab und forderte die Deputate ein.
Noch nicht ganz hatte Prof. Kasig seine Ausführungen beendet, da entstand im hinteren Teil des Saales, direkt an der Eingangstür, ein Tumult. Zur Verwunderung aller Anwesenden schleppten Rescheider Bergleute eine Sänfte herein, der eine alte Frau mit ansehnlichem Schultermaß entstieg. Die Witwe des legendären Sebastian von Stuckardt, erster Bergmeister vor Ort, war wieder da, nach vielen Hundert Jahren. Selbstbewusst und höchst lebendig übernahm sie die Regie und forderte ihre, 1543 verbrieften Rechte ein, die da lauteten: “Jedes Mal, wenn auf Reyfferscheid gebraut wird, erhält auch die Witwe des Bergmeisters ein Fass Bier.”
Arbeitsamts-Chef
als Witwe
Natürlich erhielt die rüstige Dame ihren Tribut. Wer genau hinsah, entdeckte unter dem schwarzen Kopftuch Ralf Sawatzki, den Direktor des Euskirchener Arbeitsamtes.
Obwohl “Gunter von der Rose” (Landrat Günter Rosenke) zunächst leer ausgehen sollte, erhielt auch er im Verlauf des Abends eine Dividende, die er in Form von “geistiger Nahrung” gerne zu sich nahm.
Die Gesamtzahl der seit dem 10. Dezember 1992 gezeichneten Kuxe (Anteilsscheine) beläuft sich aktuell auf 641 Stück, “bei steigender Nachfrage”, so Reger. Die Kuxe kann man kaufen, sie eignen sich auch ausgezeichnet als Geschenk. Wer einmal in den Besitz eines solchen Anteilsscheins gekommen ist, der hat damit das lebenslange Recht erworben, zum Kreis der Kuxgewerke zu gehören. Einmal pro Jahr treffen sich die Anteilseigner zu “einem gesellschaftlichen Ereignis der Sonderklasse mit hochkarätigem Begleitprogramm”, so Karl Reger. Die Hausbanken, das sind die VR-Bank Nordeifel und die Kreissparkasse Euskirchen, bringen die Deputate in Form von Bier und Eifelgeist, so dass der Abend feucht-fröhlich über die Bühne gehen kann.
In diesem Jahr gab es neben einer Tombola Beiträge und Vorträge durch den Musikverein Ramscheid-Hollerath, durch die Boischer Brassband, das Jugendblasorchester Rescheid und durch den Lückerather Manni Lang, der aus den “Eefeler Stöckelcher”, geschrieben von Fitz Könn, zitierte.
Gemeinsam mit ihrem Großvater befuhren am Samstag die beiden Mädchen Pia und Anna Witt die Grube, die dafür jeweils einen Kux erhielten. Zudem machte Karl Reger noch auf eine neue DVD aufmerksam, die es seit kurzem im Grubenshop zu kaufen gibt und die über alle drei Eifeler Bergwerke berichtet.

Manfred Lang

14.12.2005