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Nach Geld wird nun Zuwendung gebraucht
Hilfe für Sri Lanka: Neun Kindergärten, zwei Behindertenschulen und Ambulanz sind fertig
Die DRK-Kindergärten im Kreis Euskirchen und in Sri Lanka gehen erste Partnerschaften ein.
VON MANFRED LANG
Kreis Euskirchen/Batticaloa – Die Büchsen mit Erbsen und Bohnen stapeln sich in den Küstenstädten Sri Lankas. Keiner will das völlig unbekannte Gemüse daraus essen. Etwas anderes ist das mit Reis, von dem Tausende Tonnen nach der Weihnachts-Flutkatastrophe gespendet wurden. Er ist billiger als der Reis von den Feldern vor Ort: Die Bauern bleiben auf ihrer Ernte sitzen und gehen bankrott.
Die Nachrichten, die die DRK-Leute Stefanie Schmittner und Michael Schnitzler aus der Region Batticaloa am Sonntag mit nach Euskirchen brachten, waren zwiespältig. Einerseits trifft noch immer Material in den Todeszonen der Tsunami-Katastrophe ein, das gar nicht gebraucht wird. Andererseits bleiben Notstände ungelöst, um die sich keiner kümmert.
80 Prozent zerstört
Schnitzler und Schmittner berichteten gestern mit dem DRK-Kreisvorsitzenden Erwin Doppelfeld und Kreisgeschäftsführer Rolf Zimmermann über die erfolgreiche Entwicklungshilfe, die der Kreis Euskirchen in Batticaloa leistet. An der Ostküste Sri Lankas engagieren sich die karitativen Verbände und Hilfsorganisationen des Kreises Euskirchen für den Wiederaufbau der durch die Flutkatastrophe zu 80 Prozent zerstörten Infrastruktur.
Die Verbände haben nach einem Aufruf von Landrat Günter Rosenke unter Federführung des DRK einen Zusammenschluss gebildet, der sich “Wir bauen auf” nennt. Dieses Motto ist ganz wörtlich zu verstehen, wie Stefanie Schmittner und Michael Schnitzler gestern berichteten: Neun Kindergärten, zwei Behindertenschulen und eine medizinische Ambulanz zur Versorgung von 200 Patienten täglich wurden bereits in Batticaloa und Umgebung aufgebaut und mit Möbeln und Spielgeräten ausgestattet. Das Material wird vor Ort gekauft. Beim Bau sind einheimische Arbeitskräfte, vorzugsweise Arbeitslose und Hilfsbedürftige, eingesetzt. Und am Ende nimmt einheimisches Personal – Kindergärtnerinnen, Lehrer, Ärzte, Schwestern – die Arbeit auf.
Die Oberaufsicht vor Ort hat René Böhmer, ein 21-jähriger gelernter Dachdecker und DRK-“Zivi”, der bereits beim Bau des neuen Euskirchener DRK-Stützpunktes am Kreishaus Führungsaufgaben übernommen hatte. DRK-Kreisvorsitzender Erwin Doppelfeld war voll des Lobes über den künftigen Architekturstudenten: “Der Mann hat sich fürs Leben qualifiziert!”
Die Kreisbürger hatten dem Roten Kreuz und seinen Schwesterorganisationen nach der Flutkatastrophe 110 000 Euro für den Wiederaufbau gespendet. DRK-Kreisgeschäftsführer Rolf Zimmermann: “Erst die Hälfte ist verbraucht, und mit dem Rest könnten wir die medizinische Ambulanz und die anderen Projekte noch zehn Jahre lang finanzieren, selbst wenn nichts mehr hinzugespendet würde.” Da aber weiter Geld angenommen wird, können auch neue Projekte in Angriff genommen werden.
Wie DRK-Geschäftsführer Zimmermann weiter berichtete, haben die neun vom Deutschen Roten Kreuz im Kreis Euskirchen unterhaltenen Kindergärten inzwischen Partnerschaften mit den neun wiederaufgebauten Kindergärten in Batticaloa geschlossen. Beim Pressetermin stellte Zimmermann eine ganze Reihe von Bildern und Basteleien vor, die die Kinder Stefanie Schmittner und Michael Schnitzler mit nach Euskirchen gegeben hatten. Zimmermann: “Jetzt werden unsere Kinder ihrerseits mit ihren Altersgenossen in Sri Lanka Kontakt aufnehmen.”
Wegen der wiederaufkeimenden Bürgerkriegstätigkeit tamilischer Rebellen machen sich die deutschen Helfer keine großen Sorgen. Michael Schnitzler: “Schulen und Kindergärten sind tabu. Und als Weißer kann man auch ruhig schlafen. Aber es ist schon ein mulmiges Gefühl, morgens mit der Nachricht geweckt zu werden, dass nebenan zwei Menschen erschossen worden sind.”

Manfred Lang

04.08.2005