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40 Jahre Partnerschaft und vier neue Olivenritter

Gipfelstürmer und Olivenritter
40 Jahre Städtepartnerschaft Mechernich – Nyons zünftig begangen – Empfang in Frankreich “hätte herzlicher nicht sein können”
Mechernich – “Es war ein unvergessliches Erlebnis”, sagt Ursula Beul noch ganz begeistert. Die Verwaltungsangestellte der Stadt Mechernich war mit weiteren 130 Mechernichern am Freitag, 13. Juli, in die Partnerstadt Nyons gereist, um die nunmehr 40 Jahre währende Freundschaft zwischen der Stadt am Bleiberg und den Französischen Freunden zu feiern.
Nicht nur mit Bus und Privatautos waren die Mechernicher angereist. Zwölf sportliche Nyons-Freunde haben sich per Fahrrad auf den Weg in die rund 1000 Kilometer entfernte Partnerstadt gemacht. Unter ihnen war der Vorsitzende des Freundeskreises Mechernich-Nyons, Wilfried Hamacher. “Es war wirklich eindrucksvoll”, berichtet er, “wir haben uns kurz vor der Stadt mit den Busreisenden getroffen und sind dann vor dem Bus in Nyons eingeradelt”. Der Empfang durch die Franzosen wäre an Herzlichkeit nicht zu übertreffen gewesen.
Gestärkt durch den regionaltypischen Aperitif “Myro”, eine Mischung aus Rosé-Wein und Heidelbeer-Likör, ging es dann erst einmal in die französischen Familien, wo die Besucher aus Deutschland aufgenommen wurden wie Verwandte. Das hat den Mechernicher Radlern wohl so viel Kraft gegeben, dass sie sich am nächsten Tag den 1900 Meter hohen Mont Ventoux erstrampelt haben, unterstützt durch französische Radfahrer. Nach rund 40 Kilometern Anfahrt hieß das, für etwa 22 Kilometer eine Steigung von fast 8 Prozent zu bewältigen. “Dafür gab es am Gipfel einen tollen französischen Imbiss mit allem was das Herz begehrt”, erzählt Hamacher: “Rosé, Baguette, Oliven”.
Dieser Höhepunkt wurde nur noch von den Feierlichkeiten am Samstagabend übertroffen. Rund 300 deutsch-französische Freunde feierten am französischen Nationalfeiertag bei gutem Essen und Musik von der Big Band der Mechernicher Prinzengarde. Eingeladen hatte das Commité de Jumelage, also der französische Städtepartnerschaftsverein.
Die offiziellen Feierlichkeiten zum 40-jährigen Jubiläum wurden dann am Sonntagabend zünftig begangen. Musik, Tanz, die berühmte französische Küche und der Rhone-Wein – die Mechernicher konnten leben wie “Gott in Frankreich”. Außerdem kam drei Mechernichern eine besondere Ehre zuteil: Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick, Freundeskreisvorsitzender Wilfried Hamacher und der stellvertretende Vorsitzende Andreas Sack wurden gemeinsam mit Chantal Gougouzian, der Präsidentin des Commité de Jumelage Nyons-Mechernich zu Olivenrittern geschlagen.
“Das nehmen die Franzosen sehr ernst”, weiß der Frankreich-Fan Hamacher, der schon über 60 Mal nach Nyons gefahren ist. In der Region werden traditionell Oliven angebaut, und es heißt dort: “Ein Olivenbaum ernährt eine Familie”. In einer feierlichen Zeremonie haben die Mechernicher und Chantal Gougouzian vor 500 Zuschauern den Eid auf die Erhaltung und Verbreitung des Olivenbaums geleistet. Mit einer Olive und einem Schluck Rotwein aus der Gegend, dem Côtes du Rhône Villages, wurde der Bund stilecht besiegelt.
“Über diese besondere Ehre habe ich mich sehr gefreut”, sagt Bürgermeister Schick. Er war beeindruckt von der lebendigen und herzlichen Partnerschaft mit der Stadt Nyons. In seiner Festtagsrede wies Schick auf die Gemeinsamkeiten zwischen Rheinland und Frankreich hin: Etwa, dass viele französische Wörter fester Bestandteil des rheinischen Dialekts sind. Oder dass zahlreiche Familien aus der frühen sehr ärmlichen Eifel in das reichere Nachbarland aus wanderten. Sogar der Urgroßvater von Gustave Eiffel, dem Erbauer des Eifelturms, stamme aus einer Nachbargemeinde Mechernichs.
Schick hob besonders den Jugendaustausch heraus, den der Mechernicher Lehrer Wolfgang Müller 1964 initiierte. Aus gesundheitlichen Gründen konnte der Vater der Städtepartnerschaft nicht mit nach Nyons fahren, schickte aber ein Grußwort an die Freunde in Frankreich, verlesen von Hamacher.
40 Jahre Freundschaft, das musste natürlich ausgiebig gefeiert werden, und so stand auch der Montagabend im Zeichen von Musik, Tanz und kulinarischen Genüssen. “Alle sind rundum zufrieden nach Mechernich zurückgekehrt”, berichtet Hamacher. Neben den vielen Eindrücken und Begegnungen haben sie auch etwas vom Nyonser Duft mitgenommen: Eines der Gastgeschenke war ein speziell zum Jubiläum bedrucktes Lavendelsäckchen.
pp/Agentur ProfiPress

Manfred Lang

08.08.2007