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„Alle Chinesen kennen Schubert“

GAT-Chinesisch-Lehrerin Lisan Zhui vermittelte Chor der chinesischen High School „Renda Fuzhong“ – Schubert-Stück war extra eingeübt worden – Auch Mechernicher hatten musikalisches „Geschenk“ vorbereitet

Die traditionellen chinesischen Instrumente entfalteten auf der Bühne des Mechernicher städtischen Gymnasiums „Am Turmhof“ einen ganz besonderen Zauber. Foto: Claudia Hoffmann/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich – Nach Prag und München, machte der 60-kpfige chinesische Chor der chinesischen High School „Renda Fuzhong“, der im Laufe des letzten Jahrzehnts kontinuierlich höchste Auszeichnungen auf Landes- und Gemeindeebene erhalten hat, auf seiner Europa-Tournee auch im Mechernich städtischen Gymnasium „Am Turmhof“ Station. Der Mädchenchor nebst Instrumentalisten ist eines von vielen musikalischen Aushängeschildern der Schule, die unmittelbar der „Ren Min University of China“ in Peking angegliedert ist. Schulleiter Josef van de Gey wertete dies als Zeichen „großer Wertschätzung“. Denn der Dialog mit den Kulturen hat am Mechernicher Turmhof-Gymnasium von jeher einen ganz besonderen Stellenwert. Dabei war diese Wertschätzung durchaus beiderseitig, denn die Aula des Gymnasiums war bis weit über den letzten Platz hinaus besetzt. 

Doch wer nur fremde Töne erwartete, hatte sich gründlich getäuscht: Beim großen Chorkonzerts erschallten auch Stücke wie  „Der Lindenbaum“. Das berühmte Schubert-Lied, das gemeinhin unter dem Titel „Am Brunnen vor dem Tore“ bekannt ist, hatten die Chormitglieder im Alter von 12 bis 18 Jahren speziell für die Konzerte in Deutschland einstudiert. „Alle Chinesen kennen Schubert. Er ist bei uns sehr beliebt und sehr bekannt“, erzählte Lisan Zhu, die seit eineinhalb Jahren am Turmhof-Gymnasium Chinesisch als Wahlfach unterrichtet.

Auch die Mechernicher Gymnasiasten hatten für die chinesischen Gäste ein musikalisches Geschenk vorbereitet. Begleitet von einem souverän aufspielenden Andreas Weber am Klavier, begeisterte Laura Offenhäuser ihr Publikum mit hinreißenden Interpretationen von Vanessa Carltons weltweitem Top Ten-Erfolg „A thousand miles“, von Mandy Moores „Only hope“ und Alicia Keys Chartstürmer „Empire State of Mind“.

Die jungen chinesischen Gäste eröffneten den überaus herzlichen musikalischen Reigen unter der Leitung von Dirigent Wang Xin mit einem Begrüßungslied des taiwanesischen Gaoshan-Volkes. Von dort aus führte die Reise in die chinesische Provinz Shanxi, die den Ruf „Meer des Volksliedes“ hat. Mit beschwingtem pianistischem Prolog ging es nach der vergnüglichen „Dattel-Ernte“ zum „Naadam-Fest“, bei dem sich die mongolischen Sportler in den Disziplinen Ringen, Reiten und Bogenschießen messen und dessen Wurzeln sogar bis in die Hunnen-Zeit zurückreichen.

Welchen enormen Zauber auch die traditionellen Instrumente Chinas entfalten, stellte hiernach das zehnköpfige Musikensemble eindrucksvoll unter Beweis. Die Bambusflöte „Bawu“ aus der Provinz Yunnan kam dabei ebenso zum Einsatz wie das Streichinstrument „Ruan“, die gezupfte Schalenhalslaute „Pipa“ und die chinesische Wölbbrettzither „Guzheng“.

Eine ganz eigene Bedeutung haben Trommeln für das im Südwesten Chinas lebende Yi-Volk: „Wenn an Neujahr die Menschen nach Hause kommen, weisen ihnen die Trommeln den Weg“, erklärten Jule Kurka und Ann-Kathrin Müller, die gemeinsam mit einer jungen chinesischen Übersetzer-Kollegin durch das Programm führten. Mit bunten Masken gaben die chinesischen Mädchen einen Einblick in die faszinierende Welt der Pekingoper – einer der am meisten geschätzten Kunstformen in China mit einer über 200jährigen Geschichte. Der „Gesang über die Pekingoper-Maske“ kombinierte diese Musiktradition mit dem modernen Sprechgesang US-amerikanischer Provenienz. Bewegend war anschließend auch das von Gerald Wirth, dem künstlerischen Leiter der Wiener Sängerknaben, komponierten Stück „Coming together to sing, singing for a better future“, bei dem die Chormitglieder die Bühne verließen und sich im Publikum aufstellten. In der zweiten Konzerthälfte reichte das Repertoire von Mädchenchor und Musikensemble dann von klassischen Stücken über französischen Filmmelodien, christlichen Liedern bis hin zu chinesischen Popsongs, die chinesischen Sängerinnen mit kleinen vergnüglichen Choreographien freudvoll untermalten.

Aufmerksam versuchten die Mechernicher Schüler der beiden Mittelstufen-Kurse von Lisan Zhu im Laufe des Konzerts auch den einen oder anderen chinesischen Satz zu erhaschen. „Sie machen tolle Fortschritte und konnten sich beim Schüler-Austausch im vergangenen Herbst prima verständigen“, freute sich Lehrerin Zhu. Schriftsprachlich kommt man mit 580 Zeichen im chinesischen Alltag übrigens schon recht weit, 6000 Zeichen braucht es allerdings, um eine Tageszeitung zu lesen und die Beherrschung von 40000 bis 50000 Zeichen zeugen von akademischem Grad.     

pp/Agentur ProfiPress